Media Outline – 24.04.

Breaking News: wie wurde die gestrige Wahl in Frankreich von den amerikanischen Medien aufgenommen? Anne Applebaum sieht die Franzosen in der Washington Post  das „alte“ rechts-links-Schema beerdigen und die Wahl selbst als Abstimmung über Frankreichs Identität. Sehr klassisch interpretiert die NY Times die Wahl als Chance für Europa im Falle eines Erfolgs von Emmanuel Macron einerseits, als klare Warnung angesichts der rechtspopulistischen Gefahr andererseits. Ian Bremmer wiederum glaubt in der Time, dass Le Pen´s Chancen im zweiten Wahlgang deutlich größer sind, als viele Beobachter glauben.

Der New Yorker hat eine tolle Reportage über die Modeerscheinung des Vanlife im Angebot. Nicht unkritisch wird hier eine vermeintliche Aussteigerszene porträtiert, die auch schon längst wieder nach kapitalistischen Mechanismen funktioniert und – wie seinerzeit der Backpackertourismus – als zutiefst bürgerlich entlarvt.

In der NY Review of Books nutzt der Holocaustexperte Christopher Browning die Besprechung einer neueren Hitler-Biographie, um noch einmal nach etwaigen Parallelen zwischen den Aufstiegsgeschichten Hitlers und Trumps zu fahnden, kommt aber zu einem eher skeptischen Fazit was die Vergleichbarkeit angeht.

Der Atlantic analysiert in einem sehr lesenwerten Artikel den Aufstieg des Populismus in Frankreich, mit der These dieser habe mehr mit dem Kollaps des klassischen rechts-links-Spektrums zu tun als mit dem Aufstieg der radikalen Rechten.

Zum Thema BEEF

Rindfleisch ist nicht gleich Rindfleisch. Japanische Kobe-Rinder (Wagyu-Beef) hören zur Entspannung Mozart und werden stundenlang mit Bier massiert, um die einzigartige Zartheit dieses Fleisches hervorzubringen (also sagt man zumindest, ich selbst kam bislang nicht in den Genuß). Ganz so weit gehen amerikanische Rinderzüchter nicht, aber mit die besten Steaks weltweit bekommt man in den USA trotzdem – jedenfalls Fleisch, das mit nichts was es hierzulande gibt, ernsthaft vergleichbar wäre. Dafür möchte ich Euch heute zum einen die Gründe nennen und zum anderen die in den USA prominentesten Steaks vorstellen.

Rinder in den USA haben meistens ein ziemlich gutes Leben (also bis zum Schlachthof eben), der Auslauf ist gigantisch, sie bekommen 1,5 bis 2 Jahre Zeit zu wachsen und in der Regel wird erst mit der Mast begonnen, wenn die Tiere ausgewachsen sind. Dann bekommen sie neben dem Präriegras Nebraskas oder Montanas zusätzlich jede Menge Mais zum Essen, was dem Fleisch eine leicht süßliche und buttrige Note verleiht, das ist ein Unterschied zu südamerikanischem Rindfleisch. Die Mischung aus viel Bewegung, langsamem Wachsen und mit Mais angereicherter Ernährung, sorgt für die einzigartige Marmorierung amerikanischen Rindfleisches, das nach der Schlachtung auch noch mindestens 40 Tage nach der dry-aged-Methode reifen darf. Danach wird es in 3 Qualitätskategorien unterteilt: Prime, für das allerbeste Luxusfleisch (preislich beinahe in den Wagyu-Regionen und nur für absolute Freaks zu empfehlen); Choice (der Standard) und Select für die weniger gut marmorierten Teile.

Ein weiterer Grund dafür, dass die Steaks in den USA deutlich besser sind, liegt in der unterschiedlichen Zerteilmethode. In den USA werden Rinder grundsätzlich nach der Qualität der Kurzbratstücke zerlegt, während in Deutschland meistens die richtige Güte der Schmorstücke im Vordergrund steht. Wie bekommt man nun dieses Zeug auf den heimischen Teller? Es gibt mittlerweile einen ganz guten Online-Handel für US-Beef, wem aus ethischen Gründen nun der Gedanke nicht behagt, das Fleisch Tausende Kilometer unterwegs ist, der kann mit etwas Glück auch hier Metzger finden, die zumindest Dry-Aged-Beef im Angebot haben. Dies ist zumindest von der Reife her vergleichbar, geschmacklich und oft auch vom Zuschnitt her leider nicht. Wer also echtes US-Beef haben will, es aber nicht hierher transportiert bekommen möchte, der muss eben hinfahren 😉

Welche Steaks essen nun Amerikaner bevorzugterweise und wie bereitet man das zu?

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Rib Eye Steak, yeah!

Zunächst einige kurze Grundregeln für gelungene Steaks.

  • Das Fleisch sollte Zimmertemperatur haben und erst nach dem Braten gepfeffert werden, salzen kann man auch vorher, muss man aber nicht.
  • Die Pfanne immer sehr gut vorheizen und nur leicht mit Öl auspinseln.
  • Das Fleisch löst sich wegen der so genannten Maillard-Reaktion selbst von der Pfanne, dabei nicht nachhelfen!
  • Steaks werden immer nur einmal gewendet und dann eher noch im grundsätzlich vorgeheizten Backofen bei ca. 150 Grad nachgegart, der Gargrad ist natürlich prinzipiell medium oder bei US-Beef eher noch medium-rare (also Kerntemperatur zwischen 52 und 55 Grad). Um den Gargrad zu bestimmen empfiehlt sich die berühmte Daumenprobe.
  • Steaks sollten nach dem Braten immer einige Minuten in Alufolie ruhen.

Rib-Eye-Steak: Wird aus dem mageren Teil der Hochrippe geschnitten und ist mein absoluter Steak Favorit. Sollte 2-3 cm dick und ca. 300 Gramm schwer sein. Dann so 4-5 Minuten pro Seite (oder, wer auf Nummer sicher gehen will, nach 1,5 Minuten in den Ofen).

T-Bone-Steak: Der T-förmige Knochen trennt Roastbeef und Filet, mindestens 500 Gramm schwer (eher mehr), beim noch größeren Porterhouse-Steak ist der Filetanteil höher. Hier 2 Minuten pro Seite und dann bei 150 Grad für ca. 10-12 Minuten in den Ofen.

Flank Steak: Wird aus dem Rinderlappen unterhalb des Filets geschnitten und eignet sich gut zum Marinieren. Sollte ca. 600-800 Gramm haben und wird nach dem Ruhen quer zur Faser aufgeschnitten.

New York Strip Steak (auch als Sirloin-Steak bekannt): Im Prinzip ein dickes Rumpsteak mit Fettrand, den man einschneidet. Garzeit dann ähnlich wie beim Rib-Eye.

„City upon a hill“ – Über Religion I

Presbyterianer, Kongregationalisten, Unitarier, Episkopale, Methodisten, Baptisten, Pentecostalisten, Dispensationalisten, Kreationisten…Wenn es um amerikanische Religion geht, dann verstehen viele Europäer auf unterschiedlichen Ebenen oftmals nur Bahnhof. Sowohl die unüberschaubare Vielzahl an Denominationen, als auch die als meist komplett fremdartig wahrgenommene Ausübung von Religion, wird in Europa häufig von Unverständnis begleitet. Ich will hier möglichst knapp versuchen einige Besonderheiten amerikanischer Religion, sowie deren Entwicklung und Bedeutung vorzustellen – dabei beschränke ich mich auf den kulturell so prägenden Protestantismus und lasse den Katholizismus als größte Einzeldenomination und den Sonderfall der Mormonen weg. Ich werde dies zudem aufgrund der Komplexität des Themas auf zwei Beiträge verteilen.

Anfangen kann man damit, dass ein Teil der Besiedlung (im heutigen Neuengland) von einer spezifischen Form von Religionsflüchtlingen unternommen wurde. Spezifisch deshalb, weil sich die Puritaner als eine auserwählte Gruppe von Menschen begriffen und den gerade besiedelten Landstrich als irdisches Paradies auffassten. Diese Leute waren rein theologisch klassische Calvinisten, glaubten also an die Prädestination menschlichen Daseins und etablierten sehr schnell Kirchengemeinden, die sich allerdings von der Organisationsform her unterschieden – hier gibt es den Unterschied zwischen Kongregationalisten, Presbyterianern, und Episkopalen (sehr vereinfacht: von der kompletten Autonomie einer Gemeinde bei Ersteren, über ein von Kirchenältesten geprägtes Synodalsystem zu einem hierarchischen Bischofssystem bei Letzteren).

Diese frühen Gemeinden entwickelten nun zum Leidwesen der dynamischen Gesellschaft der amerikanischen Kolonien auch schnell eine theologische Orthodoxie, was vielen Menschen vor allem in den ländlichen Gebieten des Westens sauer aufstieß, da man das als bevormundend und undemokratisch wahrnahm. Hier kam es dann in den 1740er Jahren zu einer Auflehnung gegen diese Orthodoxie in einer Form, die für amerikanische Religion prägend werden sollte – der ersten von insgesamt 4 Erweckungsbewegungen.

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Szene aus dem Second Great Awakening, das von ca. 1800-1840 dauerte

Diese Erweckungsbewegungen (auch Great Awakenings genannt) hatten alle drei Dinge gemeinsam: Erstens waren sie alle zentral geprägt von verschiedenen Apokalypsevorstellungen, meistens prä- oder post-millenaristisch, manchmal auch dispensationalistisch (das dürft ihr jetzt googeln, wenn ihr mögt 😉 ). Zweitens wurden sie immer von als krisenhaft wahrgenommenen Zeitumständen ausgelöst, einem Gefühl, das die Welt auf einer grundsätzlichen Ebene aus den Fugen zu geraten drohte. Das war beim Second Great Awakening dann verbunden mit dem Kampf gegen das Übel der Sklaverei, übermäßigen Alkoholkonsum und interessanterweise auch mit der frühen Frauenbewegung. Beim Fundamentalismus der 1920er Jahre waren die Ziele die Verwerfungen der modernen Industriegesellschaft, Morallosigkeit in den Städten und der Darwinismus als vermeintlicher Feind literaler Bibelauslegung. Ich komme dann zum Neofundamentalismus der 1970er Jahre, der 4. Erweckungsbewegung, im nächsten Beitrag zurück. Drittens ging es bei den Erweckungsbewegungen immer um eine individuelle Gotteserfahrung, das heißt der Einzelne soll und kann mit möglichst vielen Gleichgesinnten eine ekstatische Begegnung mit Gott (oder dem Heiligen Geist bei den Pentecostals) erreichen. Diese Emotionalität und ekstatische Ausübung des Glaubens wurde dann auch noch von den ebenfalls in ähnlichen Bahnen verlaufenden Religionsvorstellungen vieler afro-amerikanischer Gemeinden beeinflusst und ist vermutlich der Aspekt amerikanischer Religiosität, der am Exotischsten daherkommt. Hier ein Extrembeispiel aus der Pfingstbewegung:

Nächste Woche geht es dann um den politischen Einfluß der Neo-Fundamentalisten und die Ambivalenz evangelikaler Frömmigkeit.

Das Imperium schlägt zurück

Erleben wir das nun gerade, das letzte Röcheln von Darth Vader, wie sich der rechtsnationalistische Vordenker Stephen Bannon gerne selbst nennt? Und wenn ja, was hätte das für Folgen?

Amerikanischen Beobachtern zufolge gibt es seit geraumer Zeit im Umfeld Donald Trumps einen Machtkampf zwischen dem Ideologen Stephen Bannon und moderateren Kräften, die man zumeist mit dem Schwiegersohn Jared Kushner, dessen Ehefrau Ivanka und den Politikprofis wie James Mattis und Herbert R. McMaster identifiziert, also sozusagen die Jedi Ritter, die der dunklen Seite der Macht etwas Vernünftiges entgegensetzen. Die dunkle Seite besteht hier vor allem in der dialektischen Geschichtstheorie, die Stephen Bannon, lose an die kruden Arbeiten der Hobbyhistoriker William Strauss und Neil Howe angelehnt, vertritt. Demnach besteht die amerikanische Geschichte aus ca. 80-jährigen Zyklen, nach denen grundstürzende Ereignisse revolutionären Charakters eine neue Epoche einleiten. Für Bannon sind das die Amerikanische Revolution, der Bürgerkrieg, die Weltwirtschaftskrise und nun jüngst der Krieg gegen den radikalen Islam, in dem sich die USA laut Bannon befinden. Dieser Krieg, und hier gibt es dann durchaus auch Anklänge an spezifische Strömungen der Konservativen Revolution in Deutschland in den 20er und 30er Jahren, soll eine reinigende Wirkung haben und ist unabdingbar für den Umsturz, den Bannon anstrebt. Deshalb sollte jedwede amerikanische Intervention auch ausschließlich dem Kampf gegen den IS gelten und andere Krisenschauplätze komplett isolationistisch gehandhabt werden.

Auf der anderen Seite stehen nun Vertreter einer Realpolitik im Stile eines Henry Kissinger – der angeblich tatsächlich den mit immensem Einfluß ausgestatteten Jared Kushner in außenpolitischen Fragen berät. Und hier spricht angesichts der jüngsten Ereignisse tatsächlich sehr viel dafür, dass diese Fraktion zumindest hinsichtlich der Außenpolitik, massiv an Einfluß gewonnen hat, egal welche Motivation der Donald nun genau für die Bannon´sche Degradierung hatte (verletzte Eitelkeit, von wegen Schattenpräsident und so; Blut ist dicker als Wasser, whatever). Sowohl der syrische Vergeltungsschlag, die Mother of all bombs in Afghanistan als auch der Flottenaufmarsch vor Nordkorea, tragen Züge einer klassisch interventionistischen Machtpolitik, die durch militärische Stärke versucht, politische Ziele zu erreichen. Sehr viel anders hätte das meiner Meinung nach auch unter Hillary Clinton nicht ausgesehen. Das Problem an einer Kissinger´schen Form von Realpolitik ist, dass sie erstens im Prinzip eines kühlen, rational operierenden Kopfes bedarf, nicht gerade eine der hervorstechendsten Charaktereigenschaften des Commander in Chief – ein Kissinger hätte sicher nicht die beautiful babies als Begründung herangezogen, sondern das Ganze als klare Botschaft an den Roten Platz verpackt. Zweitens nimmt eine solche Politik ziemlich zynisch etwaige Kollateralschäden immer in Kauf.

Auf einer übergeordneten Ebene finde ich die spannende Frage, ob wir hier dann gerade ganz generell die – offene – Wiederkehr einer klassischen Großmachtpolitik erleben, bei der einzelne Länder oder ganze Weltregionen nur noch Spielball und Verhandlungsmasse von global agierenden Großmächten sind. Sollte Trump jedenfalls weiterhin erkennen, dass er sich mit derlei außenpolitischen Manövern profilieren kann, dann sollten wir öfter damit rechnen, dass The (American) Empire strikes back, was bei der durchaus vertrackten Lage in Nordkorea schon ziemlich besorgniserrgend ist.

 

Frohe Ostern

Ich melde mich hier mal für eine kurze österliche Blogpause ab, macht Euch alle trotz vermutlich bescheidenen Wetters ein paar schöne Tage. Ich selbst komme dann nächsten Dienstag zum Trump´s Day wieder, der hoffentlich bis dahin noch keinen Krieg in Korea angezettelt hat. Im Weißen Haus gibt es zu Ostern die mittlerweile 139 Jahre alte Tradition des Easter Egg Hunt, die größte öffentliche Veranstaltung auf dem Gelände des Weißen Hauses.

Für das Präsidentenehepaar und dessen Administration ist diese Veranstaltung traditionell auch ein Test der eigenen Organisationsfähigkeiten und nun ja, Donald und Melania scheint selbst das vor kaum überwindliche Herausforderungen zu stellen:

I see you guys on Tuesday, have a great time!

„I wanna be black“ – Vom Blues

Ähnlich wie die Geschichtswissenschaft in den vergangenen grob drei Jahrzehnten davon abgekommen ist, die Geschichte der unterschiedlichen Native Americans als rein passive Opfergeschichte zu erzählen, sondern sie stattdessen als eigenständige Akteure zu begreifen, ohne die fundamentalen Ungerechtigkeiten die mit dem Aufeinandertreffen der Kulturen verbunden waren, aus dem Blick zu verlieren, verhält es sich auch mit den African-Americans. Heutige Historiker versuchen meistens aus der Geschichte der Sklaverei und den darauf folgenden Unterdrückungs- Gewalt- und Armutserfahrungen, die Afro-Amerikaner durchlitten, die Möglichkeitsräume für eigenständige kulturelle und politische Ausdrucksformen – die es eben trotz aller Widerstände auch sehr wohl gegeben hat – herauszudestillieren.

Neben dem unbestreitbaren Einfluß den spezifische Formen afro-amerikanischer Religiosität auf heutige Ausdrücke evangelikaler Frömmigkeit hat, war eine der wirkmächtigsten kulturellen Errungenschaften der Afro-Amerikaner die Musik – Soul, Gospel, Jazz – und hier insbesondere der Blues. Blues entstand in rudimentären Formen aus so genannten Minstrel-Shows in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und verbindet Elemente afrikanischer, karibischer und europäischer Musikformen. Er wurde dann ab den 1920er Jahren erstens professionalisiert und zu einem afroamerikanischen Standard und wanderte zweitens mit der massenhaften Abwanderung von Afro-Amerikanern aus dem verarmten Süden im Zuge der Great Migration in die Großstädte des Nordens und Mittleren Westens – insbesondere Detroit und Chicago. Dort schafften dann Blueslegenden wie Nat King Cole, Howlin´Wolf, Muddy Waters, John Lee Hooker und nicht zuletzt der jüngst verstorbene Chuck Berry in den 1940er und 50er Jahren ihren Durchbruch. Allesamt – aber vor allem Letzterer – Giganten ohne deren Einfluß es die Rockmusik in ihrer heutigen Form, von den Rolling Stones über Led Zeppelin bis hin zu Funk und Rap – nicht geben würde und von all diesen Künstlern gibt es auch meist sehr gute Kompilationen (zu kaufen oder als Playlists bei Spotify), mit denen man einen Einstieg in diese Musik finden kann.

Nichtsdestotrotz hat sich im tiefen Süden, im sumpfigen Delta des Mississippi, die wohl rauheste und intensivste Variante des Blues, der Delta Blues, erhalten. Hier hatte ich nun die vergangenen Jahre das große Glück, dass mich ein guter Freund (Danke Dir @Gennaro!) bei manch Bier und Talisker mit dieser Musik mehr und mehr vertraut machte und dem ich einen Großteil der folgenden Hinweise verdanke. Der Delta Blues ist roher und ursprünglicher als seine urbanen Verwandten und vermag deshalb einen möglicherweise „authentischeren“ Eindruck von dieser Musik und dem Land aus dem er entstammt zu vermitteln. Die Texte erzählen beeindruckende Geschichten über Armut, Drogen, die Härten afro-amerikanischen Lebens, aber auch immer wieder von Liebe und Sexualität. Es lohnt sich unbedingt, Musiker wie Son House, Mississippi Fred McDowell, Junior Kimbrough oder den großartigen R.L. Burnside, um nur einige wenige zu nennen, für sich zu entdecken, um einen tiefen Einblick in afro-amerikanische Kultur, den tiefen Süden und amerikanische Musik zu gewinnen.

Einen sehr guten Einstieg in diese Spielart des Blues und die wichtigsten Vertreter, bietet eine ziemlich gelungene Playlist bei Spotify mit dem Titel „Not The Same Old Blues Crap“.  Wer die Zeit erübrigen kann, dem würde ich zudem gerne die großartige Dokumentation „You see me laughin`: The Last of the Hill Country Bluesmen“ ans Herz legen, denn am Ende des Tages gilt James Welden Johnsons Diktum: „It is from the blues that all that may be called American music derives its most distinctive characteristics“ (und man könnte hinzufügen, nahezu jede Form moderner Pop- und Rockmusik):

Melania

Eine der interessanteren Kontroversen rund um die Trump-Präsidentschaft, finde ich die Diskussion, die man um die Rolle der meist absenten First Lady führt. Die Gute hält sich ja zumeist im New Yorker Trump Tower auf, um das schulische und soziale Wohlergehen des kleinen Barron nicht zu gefährden, währenddessen der 20-köpfige Stab im Ostflügel des Weißen Hauses sitzt und nicht ganz so genau weiß was tun. Nun gibt es vor allem zwei hauptsächliche Darstellungen dieser Dame. Entweder sie wird von Satiresendungen wie Stephen Colberts Late Show, oder hierzulande Carolin Kebekus´ Pussy Terror TV als osteuropäisches Modeldummchen porträtiert, die mit den Aufgaben einer First Lady heillos überfordert ist.

Die eigentlichen Aufgaben von Melania seien längst von der noch schöneren Tochter Ivanka übernommen worden, die ja mit ihren 35 Jahren immerhin noch das väterliche Check-Out Datum weiblicher Attraktivität ankratzt.

In einigen amerikanischen Medien wird dieses Argument auf einer ernsthaften Ebene noch dadurch unterfüttert, dass der amerikanische Steuerzahler alleine für die Kosten des Personen- und Gebäudeschutzes in New York nach manchen Schätzungen 500 000 $ pro Tag berappen muss, da sind dann die Personalkosten im Weißen Haus und die wochenendlichen Ausflüge nach Florida noch gar nicht mitgerechnet.

Die zweite Interpretation der Nicht-Rolle, die Frau Trump einnimmt, lautet hingegen ganz anders. Wie ein Kommentator in der NY Times dazu trocken bemerkte: „You want Mrs. Trump in the White House? Then pay her!“ Hier wird Melania Trump als feministische Vorkämpferin und das unentgeltlich auszuübende Ehrenamt der First Lady als überkommenes Rollenklischee gesehen, dem sich Frauen wie sie, oder auch Frank-Walter Steinmeiers Gattin Elke Büdenbender, widersetzten und damit gar eine Vorbildfunktion einnähmen.

Für letztere Deutung bedürfte es meiner Meinung nach natürlich den kaum zu erbringenden Nachweis, dass sich Melania Trump reflektiert und bewußt für diese Verweigerungshaltung entscheidet. Eine spannende Frage, wie die Gattin (oder auch der Gatte) einer öffentlichen Person, ihre Rolle auszufüllen hat – oder eben auch nicht – ist das aber schon, eine klare Position dazu habe ich selbst irgendwie noch nicht gefunden.