Das Essen – Tipps

Essen ist wie hier und hier beschrieben ein großes Thema. Wie hat das nun bei mir funktioniert? Würde ich etwas ändern?

Der Speiseplan ist mehr oder weniger genau so umgesetzt worden wie in den verlinkten Beiträgen geschrieben. Haferflocken mit Milchpulver und Pop Tarts zum Frühstück, unterschiedliche Riegel zwischendurch (hauptsächlich Clif Bars, Skout und zum Teil auch Kind Bars, wobei diese recht teuer sind). Ich habe hingegen kaum Snickers oder sowas gegessen, hält nicht lange genug vor und schmilzt. Auch Trail Mix habe ich recht schnell mehr oder weniger abgeschafft, ich konnte das Zeug schon nach 2 Tagen nicht mehr sehen (stattdessen gabs Macadamia-Nüsse). Ich habe Nutella statt Peanut Butter benutzt (meist in Tortillas), als Lunch gabs meistens Cheddar (Tillamook, yeah man) und Beef Jerky (aber warum zum Geier ist guter Beef Jerky so verdammt teuer????), abends rehydriertes CousCous, mit unterschiedlichen Thunfischkreationen von Starkist und String Cheese – hmmmm – gefüllte Tortillas und Ramen Nudeln (dazu gleich noch ein gesonderter Tipp). Individuell kreierte Hot Sauce und Olivenöl für den Geschmack, also zu allem. Sehr schnell in die Hikerbox gewandert sind indes die verschiedenen Kartoffelbrei-Variationen von Idaohan, das Zeug schmeckt kalt supereklig.

Was würde ich wieder so machen?

  • Die Entscheidung ohne Kocher zu gehen, würde ich jederzeit wieder so treffen. Mir hat warmes Essen nicht gefehlt.
  • Anders als vermutet lassen sich auch die verschiedenen Ramen Nudeln sehr gut kalt rehydrieren. Man nehme ein leeres Erdnussbuttergefäss (die sind in den USA aus Plastik). Man fülle die Nudeln mit Hot Sauce, Chia-Samen für die Energie, Olivenöl und je nach Geschmack auch Jerky, Salami, whatever hinein. Wasser dazu, verschließen. Das macht man am Besten so ca. 1 Stunde bevor man ins anvisierte Camp kommt, dann ist das Zeug fertig wenn man das Zelt aufgebaut hat und je nach Wetterlage auch nicht kalt sondern lauwarm. Bon Appetit!
  • Organisiert wird das Essen in Zip-Loc Bags.
  • Es war innerhalb der Gruppe umstritten, aber 80% von uns – so auch ich – haben unser Essen nicht bären- oder mäusesicher aufgehängt. Ich hatte zwar Paracord dabei, habe aber aus reiner Faulheit immer mit meinem Essen geschlafen. Ist nie was passiert.

 

Was würde ich ändern?

  • SoBos haben für die 4-5 Boxen, die es für Washington zu versenden gilt, keine wirkliche Alternative. Dennoch würde ich zunächst auf jeden Fall WENIGER Essen in die Boxen tun (Verpflegung wiegt so verdammt viel). Ich hatte immer zu viel Zeug verpackt. Nach Washington würde ich dann so oft es irgend geht vor Ort einkaufen gehen, auch wenn das teurer ist. Abwechslung reinzubringen, ist vor allem bei den Riegeln essentiell und man weiß einfach nicht auf was man zu welcher Zeit Bock hat.
  • Ich würde meine Essensaufbewahrung ändern. Ich hatte einen Sea to Summit Stuff Sack (15 L) dafür benutzt (und ich würde diese für die Kleider- Elektronik und Sanitäraufbewahrung auch wieder nehmen). Diese Teile haben den Verschluß oben, will heißen man muss sich immer durch die gesamten Vorräte wühlen, um an das Gewünschte zu gelangen (wobei ich meine Snacks für den Tag immer vorher raussortiert habe). Das war recht nervig, deshalb würde ich versuchen einen Stuff Sack zu finden, den man quer öffnen kann. Also sowas. Das würde die Essensorganisation deutlich einfacher machen.

 

Gear Review – Big Agnes Fly Creek UL 1

Ich bin mittlerweile wieder daheim, die Enttäuschung verfliegt nur langsam, aber ich bin fest entschlossen in absehbarer Zeit wieder auf den PCT zurückzukehren und werde in der Zwischenzeit noch ein paar Beiträge mit hoffentlich hilfreichen Tips zu Themen wie Navigation, Essen usf. schreiben, sowie einige Besprechungen zu Ausrüstungsstücken posten, von denen ich glaube, diese auch nach der eher kurzen Trailzeit adäquat einschätzen zu können. Los gehts mit meinem Zelt.

Vorneweg kann ich schon mal eines sagen: mein Zelt gehörte zu meinen absoluten Lieblingsausrüstungsstücken und hat sich in vielerlei Hinsicht und unter unterschiedlichen Bedingungen bewährt.

Was gefällt:

  • Das Packmass (45cm lang, 10cm breit) und das Gewicht (950 Gramm verpackt) sind hervorragend und gehören zum Besten was ich auf dem Trail gesehen habe.
  • Der Aufbau ist super einfach und geht extrem schnell, wenn ich den Regenschutz weggelassen habe, knapp 2 Minuten, ansonsten grob 3.

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  • Das Fly Creek hat schwere Gewitter, Hagel, Regen und auch sehr warme Temperaturen umstandslos überstanden, ich bin niemals nass geworden und auch die Ventilation ist auch mit dem Regenschutz sehr gut.
  • Stichwort Regenschutz: ich musste zwei Mal aufgrund meines zu großen Vertrauens in das Washingtoner Wetter, mitten in der Nacht den Regenschutz schnellstmöglich aufziehen, auch das hat sehr schnell und problemlos geklappt.
  • Man kann im vorderen Bereich aufrecht sitzen, wenn man nicht zu groß ist, das geht nicht bei allen Zelten, die ich gesehen habe.
  • Der Zeltboden ist sehr stabil, ich habe keinen Groundsheet benutzt und keinerlei Probleme gehabt, wer auf Nummer sicher gehen will, kann aber selbstredend ein Sheet aus Tyvek oder auch das hier verwenden.

Was nur OK ist:

  • Der Stauraum für Rucksack und Schuhe könnte etwas größer sein, hier muss man bei nassen Bedingungen aufpassen, das man alles trocken hält, hat aber auch immer funktioniert und vermutlich kann man bei einem Zelt dieser Größe auch nicht mehr erwarten.

Was nicht gefällt:

  • Hier fällt mir wirklich nur der frontale Eingang ein, der Aus- und Einstieg etwas lustig und eher wenig elegant aussehen lässt. Wer das schlimm findet, könnte auch dem Copper Spur einen Versuch geben, das einen Seiteneingang hat, aber auch etwas teurer und schwerer ist.

Fazit: Ich würde dieses Zelt jederzeit wieder benutzen und kann es für Trekkingtouren jedweder Art nur wärmstens empfehlen, es gibt eigentlich so gut wie keine Schwachstellen.

 

 

Die PCT-Schule

Was man auf dem PCT lernt:

– Campstellen finden: auch wenn viele Campsites in den einschlägigen Apps als soche verzeichnet sind, ist man öfter gezwungen auch abseits derselben nach Schlafstätten zu suchen. Man wird sehr schnell zum Experten, wenn es darum geht ebene Stellen zum Zelten zu finden. Ab einer gewissen Zeit sucht das Auge radarähnlich die Umgebung nach möglichen “I need to pitch my fucking tent this moment“ ab. Meist mit Erfolg.

– Feuer machen, egal mit was: die zweite Camppflicht, nach dem Zelt aufbauen – zumindest wo erlaubt. Man bekommt auch mit nassestem Zeug ein Feuer hin, egal mit was, Klopapier, Moos, whatever.

– Geduld: man kommt irgendwann auf die Passhöhe, ganz sicher. Irgendwann. Die Switchbacks des PCT können einen in den Wahnsinn treiben. Aber man kommt an seinem Ziel – das man sich im übrigen jeden Tag setzen sollte, das motiviert – an. Irgendwann. Nur Geduld und die lernt man.

– Duschen wird massiv überschätzt. 

– Kleinigkeiten sind großartig, der Burger in der Stadt, das Mitgenommenwerden beim Trampen. Man lernt Dankbarkeit.

Was man auf dem PCT nicht lernt:

– Verzicht auf Bier oder sonstige Drogen, wer diesen zugeneigt ist. Dieser Weg ist ein verdammter Kifferhighway und auch an Pilzen, Meskalin u.ä. herrscht kein Mangel. Und azf das Bier on den Städten verzichten wirklich nur due Wenigsten.

– Einsamkeit. Selbst als SoBo wird man Leute treffen und die eher wenigen, die man trifft werden vermutlich zu den tollsten Menschen gehören, die man kennt. Hat mir die kanadische Mitwanderin doch z.B folgendes geschrieben: “Google, I was absolutely convinced, that you of any people will make it to Campo, I’m so sorry.“ Nur wenn man komplett antizyklisch läuft, ist man alleine.

– Die Motivation woanders wandern zu gehen. Es ist zu fantastisch. Landchaftlich und von den Menschen her. Dagegen verblasst das allermeiste, deshalb komme ich auch irgendwann wieder.

Blog-Überlegungen

Obwohl das Ganze jetzt nicht so geklappt hat, wie geplant, werde ich noch einige Beiträge rund um den PCT schreiben, mal mehr mal weniger ernst gemeint, Tipps zu geben versuchen und einige Ausrüstungsreviews machen.

Ob und wenn ja wie ich den Blog danach weiterbetreibe weiß ich noch nicht. Irgendwie ist mir das Ding doch ans Herz gewachsen. Anregungen willkommen.

No way, leider

Bin gestern brav meine 10 Meilen gelaufen, alles bergauf, das ging einigermaßen. Dann am Ende des Anstiegs erzählt mir ein NoBo freudestrahlend, alles bergab bis Seiad Valley. Hab das heute morgen kurz probiert, keine Chance. Hab mich jetzt die 10 Meilen bergab wieder zurückgeschleppt. Macht keinen Sinn das Knie weiter zu beschädigen. Deshalb, so schwer das fällt: tschüss PCT. Vielleicht komme ich eines Tages wieder und habe etwas mehr Glück. Eine der besten Reisen meines Lebens hast Du mir trotzdem beschert.

Auch mal Glück

Gestern ist hier ein Orthopäde (läuft gerade Oregon als Section). aufgeschlagen, der sich das Ganze angeschaut hat. Meinte es sei nicht zu schlimm, die Bänder wohl noch nicht ganz ausgeheilt. Er empfahl mir das noch einen Tag komplett ruhen zu lassen und dann sehr langsam wieder einzusteigen, so 10-12 Meilen, damit das Knie sich wieder an die Belastung gewöhnt.

Sollten die Schmerzen stark sein oder werden: aufhören und zwar so schnell wie möglich – “then you get the hell out of there, and go to some fucking California beach, and let yourself serve some ice cold blue moon from some Southern California college chicks, who will for sure dance around a handsome German PCTer.“ Amerikaner sind manchmal schon geil.