„Don´t mess with Texas“: Vom Lone-Star-State

Retroflagge USA mit American Potpourri Schrift

Jedes Schulkind in den USA kennt den Slogan „Remember the Alamo“, die Geschichte vom heldenhaften, wenn auch aussichtslosen Kampf 190 texanischer Aufständischer gegen eine mexikanische Übermacht in der Missionsstation Alamo im Jahre 1836, verewigt in zahllosen Romanen, Bildern und Filmen.

Das eigentlich bemerkenswerte an der Episode ist zum einen die Langlebigkeit des Mythos vom individualistischen Heldentum an der feindseligen Frontier, zum anderen der eigentliche Ort des Geschehens: Texas, einer der seltsamsten und interessantesten Staaten in den USA, so groß wie Großbritannien, Norwegen, Belgien und Portugal zusammen und nach Kalifornien der Staat mit den meisten Einwohnern.

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Anfänge

Seit 1519 war das heutige Texas Teil des spanischen Kolonialreiches in Amerika, allerdings wurde das Gebiet von der Krone in Madrid eher stiefmütterlich behandelt. Zu abweisend und unwirtlich erschienen die Wüsten im Süden und die wasserarmen Prärien des Llano Estacado, oder Staked Plains, im Nordwesten. Zu feindselig gerierten sich die verschiedenen Native Americans der Region, aus deren Sprache – genauer aus der der Caddo – der spätere Name entlehnt wurde. Tejas, was so viel wie Freund oder freundlich bedeutet. Kurz unterbrochen wurde die spanische Herrschaft von französischen Kolonisierungsversuchen Ende des 17. Jahrhunderts, die versuchten von ihrem Louisiania-Territorium aus, ihren Einfluß nach Westen auszudehnen. Aber auch sie gaben alsbald wieder auf.

Erst 1718 gründeten spanische Missionare das heutige San Antonio, aber auch in der Folge blieb Texas sehr dünn besiedelt und bot wenig Attraktivät für Kolonisatoren. Schuld daran waren im 18. Jahrhundert vor allem die zur dominierenden ökonomischen und militärischen Ordnungsmacht aufgestiegenen Comanche, die jedem Versuch einer dauerhaften Besiedlung entschlossen und mit großer Härte entgegentraten. Dieses Bild änderte sich erst nach der mexikanischen Unabhängigkeit 1821. Nun war es dem jungen mexikanischen Staat daran gelegen, Texas als nördliches Bollwerk, eine Art Schutzwall, gegen die marodierenden Comanche zu etablieren. Da aber die noch sehr wacklige und schwache Zentralregierung in Mexiko City bei den eigenen Landsleuten kaum Begeisterung für die Erschließung der gefährlichen Landstriche im Norden wecken konnte, versuchte man landhungrige Plantagenbesitzer aus den Vereinigten Staaten anzulocken.

Dies sollte sich als sehr erfolgreich erweisen. Viel zu erfolgreich, wie sich bald herausstellen sollte. Die mexikanische Werbekampagne für die Besiedlung, führte im Verlauf der 1820er und 30er Jahre zu einer wahren Bevölkerungsexplosion vor allem in den fruchtbaren Gebieten entlang des Golf von Mexiko und den nordöstlichen Grasebenen, die allerdings zu einer massiven Verschiebung der Bevölkerungsanteile führte. Die anglo-amerikanischen Neuankömmlinge, die zu großen Teilen aus dem sklavenhaltenden Südwesten stammten und diese Institution auch mit nach Texas brachten, zeigten wenig Interesse daran, sich dem Diktat einer fernen und als fremd und tyrannisch wahrgenommenen mexikanischen Regierung zu unterwerfen. Von Beginn an entwickelten sich deshalb Unabhängigkeitsbestrebungen unter den neuen Siedlern, sowie ein konfliktbehaftetes Nebeneinander mit der alteingesessenen mexikanischen Bevölkerung. 1836 schließlich verkündeten die amerikanischen Texaner unter Führung ihres später auch ersten Präsidenten Sam Houston ihre Unabhängigkeit und riefen die Republic of Texas aus.

Nun war das Selbstbewußtsein der selbsternannten Freiheitskämpfer deutlich größer als ihre organisatorischen und militärischen Kapazitäten. Sie hatten der verärgerten und deutlich besser aufgestellten Militärmacht Mexikos zunächst wenig entgegenzusetzen. So wurde das oben bereits erwähnte Missionsstädtchen Alamo zum Ort einer desaströsen Niederlage, die unter den Gefallenen Texanern auch später zu mythischen Figuren verklärte Frontier-Helden wie Davy Crockett und James Bowie (ja das Messer) zählte.

The Alamo

Diese Niederlage stachelte allerdings die Widerstandsbemühungen zum Leidwesen der Mexikaner eher noch an und nach einigen überraschenden militärischen Erfolgen, gelang es Texas tatsächlich sich als unabhängige Republik zu etablieren und wurde alsbald auch von europäischen Mächten wie Großbritannien und Frankreich anerkannt, die darin natürlich die große Chance sahen, mit einem unabhängigen Texas einen kontinentalen Gegenspieler zu den jungen USA heranwachsen zu sehen.

In die USA

Zwar gab es inerhalb der texanischen Führung auch Stimmen, die eine Beibehaltung der eigenen Unabhängigkeit und damit verbunden auch eine weitere Expansion bis zum Pazifik anstrebten. Die Mehrheit unter Sam Houston jedoch befürwortete eine möglichst rasche Eingliederung in die USA, sah man sich selbst doch als dauerhaft zu schwach an, um sich gegen eine mexikanische Übermacht zu behaupten. Auch in den USA selbst wzchs die Zahl der Befürworter einer Inkorporation des riesigen Territoriums im Laufe der 1840er Jahre rasch an, sah man sich doch durch eine Integration von Texas dem Ziel – dem manifest destiny – einer wirklich kontinentalen Republik deutlich näher  kommen. Deshalb wurde 1845 Texas als Staat in die Union aufgenommen, was in der Folge zum mexikanisch-amerikanischen Krieg und in Texas selbst zu blutigen Konflikten mit den Comanche führte, die meist von der para-militärischen Einheit der Texas Rangers ausgefochten wurden.

Nach dem Bürgerkrieg, den Texas auf Seiten der Südstaaten sah, gewann Texas dann in unterschiedlichen Bereichen an ökonomischer Bedeutung. Rinder- und Schafzucht riesige Baumwoll- und Obstplantagen ließen Texas prosperieren, bis heute ist Texas der größte Rindfleisch- und Baumwollproduzent in den USA. Als Ende des 19. Jahrhunderts dann auch noch gigantische Erdölvorkommen entdeckt wurden, etablierte sich Texas endgültig als ein wirtschaftliches Powerhouse. Daran konnte auch die sinkende Bedeutung von Erdöl seit den 1970er und 80er Jahren nichts ändern. Denn neben dem ökonomisch so bedeutsamen Rohstoffreichtum, wurde Texas zeitgleich auch Teil des wirtschaftlich aufstrebenden Sun Belt, dem Gürtel im Süden und Westen der USA, wo sich ab den 1950er Jahren zahllose Hochtechnologiefirmen im Luftfahrt- Weltraum- und Computerbereich ansiedelten.

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Man ist stolz in Texas

Damit eng verknüpft war ein sehr stark ausgeprägtes Geschichtsbewußtsein und damit verbundener Regionalstolz. Durch die Phase der eigenen Unabhängigkeit sah man sich in Texas immer als etwas Besonderes innerhalb der USA an. Das Staatskapitol in der Hauptstadt Austin baute man direkt mal sieben Meter höher als dasjenige in Washington D.C. In kaum einem anderen Staat erhielt sich die Idee eines rugged invidualism, also einer zutiefst amerikanischen Idee von Pioniergeist und Individualismus, so stark wie in Texas. Alle auch negativ besetzten Klischeebilder, die man häufig mit den USA verbindet – Waffenbesitz, Hybris, die Vorstellung eines amerikanischen Exzeptionalismus usf. – findet man in Texas potenziert. Man könnte also sagen, Texas ist gerade aufgrund seiner wechselvollen Geschichte der amerikanischste aller amerikanischen Bundesstaaten.

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Neues vom southboundhiker

Sooo, hallo alle zusammen und zunächst einmal allen Lesern ein frohes Neues Jahr!

Der southboundhiker ist auch zurück, mit BREAKING NEWS 😉

Wie schon angedeutet habe ich seit Januar einen neuen Job. Das Ganze ist full time und erlaubt mir daher leider nicht mehr die Unternehmung hier im üblichen Umfang aufrechtzuerhalten.

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Uhhh, the working world. Macht den southboundhiker schlanker 😉

Es gibt aber auch gute Nachrichten: genau dieser Job – da im weitesten Sinne im Outdoorbereich – wird es mir sehr wahrscheinlich ermöglichen im nächsten Jahr auf den PCT zurückzukehren und dann gibt es hier wieder das, womit alles mal angefangen hat. Und in the meantime?

Keine Sorge, ihr werdet nicht komplett auf content hier verzichten müssen. Es wird in Zukunft pro Woche einen Beitrag geben, allerdings ohne fixen Termin wie bislang. Die Kategorien zu meinen Beiträgen werden hingegen bleiben. Es wird also vor allem Dinge im American Potpourri oder Casual Friday geben. Die Media Outline versuche ich dann, wenn mir wirklich spektakuläre Dinge auffallen, vermutlich aber meistens eher kürzer. Ebenso wenn der Donald was ganz Extremes veranstaltet hat (sollte ich mal dazu kommen Fire and Fury zu lesen, dann wirds hier auch was zu geben).

Nächste Woche gehts los mit dem etwas schlankeren southboundhiker und vielem rund um die USA, bleibt mir gewogen!

Merry Christmas!

Cabrio mit Casual Friday Schrift

Bevor ich mich hier für dieses Jahr verabschiede, soll es zumindest noch ein klein wenig Produktives geben. Gehört ihr auch zu den Last Minute Weihnachtsgeschenke-Käufern? Falls ja hier noch ein paar Ideen für etwaige amerikaphile Menschen.

  • Man kann ja immer Bücher verschenken. Hier würde ich einmal auf meine kürzlichen Lektüretipps verweisen, sowie auf meine persönliche Liste von Great American Novels, die man immer mal wieder lesen kann. Diese Sachen sollten alle noch bis morgen zu bekommen zu sein.
  • Eine der positiveren Seiten der Trump-Präsidentschaft ist dann ja der Boom, den Amerikas Printmedien deshalb erleben. Das hat dazu geführt, dass man bei vielen Publikationen unglaublich günstige Abos bekommen kann. Ich finde nun, dass es in den USA insbesondere im Magazinbereich ein Angebot gibt, dass hierzulande fehlt. Deshalb hier drei Vorschläge.

Für den Intellektuellen: die New York Review of Books ist vom intellektuellen Tiefgang her, das beste Magazin, das ich kenne. Anspruchsvoll zu lesen, aber dafür ist man hinterher auch wirklich immer schlauer als davor.

Für den politisch Interessierten: der Atlantic ist ein sehr schön gemachtes Magazin, handlich, die Artikel nicht zu lang und trotzdem mit Hand und Fuss. Inhaltlich recht politikzentriert, es gibt aber auch immer mal wieder tolle Buch- und Filmbesprechungen.

Für den Literaturfan: Der New Yorker enthält zwar auch exzellente tagesaktuelle Artikel, mit Gewinn werden ihn aber vermutlich hauptsächlich literaturinteressierte Menschen lesen. Kurzgeschichten renommierter Autoren und weltberühmte Cartoons runden das Ganze ab.

  • Last but not Least könntet ihr versuchen im Bekanntenkreis die Wandersehnsucht zu wecken. Ein toller Bildband der Triple Crownerin Karen Berger entführt Euch auf die 11 bekanntesten amerikanischen Hiking Trails.

So, ich hoffe damit vielleicht noch eine kleine Inspirationsquelle geliefert zu haben. Ich wünsche Euch allen ansonsten ein frohes Feschd, kommt gut nach 2018. Ich melde mich hier in der zweiten Januarwoche zurück, allerdings wie bereits angekündigt wohl nicht mehr in der üblichen Regelmäßigkeit. Ich gebe Euch Bescheid wie genau das hier weitergeht, bis dahin, bleibt mit gewogen 🙂

 

Über Steuern

Retroflagge USA mit American Potpourri Schrift

Jetzt hat er´s also geschafft der Donald, da lag ich damals dann eher daneben 😉 Nach eigenen Twitter-Worten verabschiedete der Senat gestern die größte Steuersenkung in der Geschichte der USA. Diese Einschätzung ist wie üblich grob übertrieben, aber die Absenkung der Ertragsteuer für Unternehmen von 35 auf 21% ist tatsächlich ein krasser Einschnitt und dürfte auch in anderen Erdteilen große Konsequenzen nach sich ziehen. Denn als Standort gewinnen die USA dadurch natürlich gewaltig an Attraktivität und man braucht vermutlich nicht lange darauf zu warten, bis auch hierzulande große Konzerne genau diese Reform als Druckmittel für Steuererleichterungen nutzen werden.

Dass davon darüberhinaus in allererster Linie sehr reiche Menschen profitieren werden – also auch er selbst – ficht Herrn Trump natürlich nicht an. Leider aber einen Großteil seiner meistens nicht sonderlich gut betuchten Anhänger auch nicht. Warum das so ist, erklärt ein kleiner Blick zurück auf die Geschichte von Steuern in Amerika.

Steuerrevolutionäre

Wäre man bösartig, könnte man sagen, dass schon die Amerikanische Revolution kein aufklärerischer Freiheitskampf gewesen ist, sondern die Auflehnung einiger Wirtschaftsflüchtlinge gegen das als ungerecht empfundene Steuersystem eines übergriffigen imperialen Staates. Das ist natürlich deutlich verkürzt, aber festhalten kann man schon, dass sich die Unabhängigkeitsbewegung in den USA vor allem an Konflikten über die Besteuerung bestimmter Waren und Dienstleistungen entzündete. „No taxation without representation“ wurde zu einem wirkmächtigen Slogan der selbsternannten Unabhängigkeitskämpfer. Schnell stellte sich dann aber nach der erfolgreichen Umsetzung des Abspaltungsprojektes heraus, dass sehr viele Bürger auch mit „taxation with representation“ nicht wirklich glücklicher waren. Die Besteuerung von Whisky zum Beispiel sorgte schnell für eine Rebellion und gewalttätige Ausschreitungen. Von Beginn an wurden dem Kongress deshalb sehr enge Grenzen gesetzt, wenn es darum ging die Bürger direkt zu besteuern.

Um der klammen Staatskasse trotzdem die dringend benötigten Einnahmen zu sichern, griff man schon früh zu einem Mittel, dass die Steuer- und Handelspolitik der USA das ganze 19. Jahrhundert hindurch strukturieren sollte – teilweise exorbitante Zölle auf die Einfuhr ausländischer Waren. Dies diente aber nicht nur dazu, dem Staat nötige Einkünfte zu sichern, die anders nicht zu bekommen waren, sondern hatte auch immer das Ziel die einheimische Produktion vor internationaler Konkurrenz zu schützen. Besonders deutlich wurde dies in der Phase der Hochindustrialisierung in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts, dem so genannten Gilded Age. Hier wurden Einfuhrzölle systematisch dazu benutzt, entstehende Großindustrien wie Stahl und Öl von ausländischer Konkurrenz abzuschotten. Das war natürlich nie unumstritten, benachteiligte es doch die auf den Export von Baumwolle, Tabak und Zucker angewiesenen Pflanzer im Süden.

Wie bezahlt man einen Krieg?

Durch die Zollpolitik war es also tatsächlich so, dass Amerikaner vergleichsweise wenige Abgaben zu bezahlen hatten, vor allem eine Einkommensteuer gab es in der heutigen Form zunächst nicht. Das stellte sich dann in dem Moment als Problem heraus, als es im Bürgerkrieg darum ging bis dato völlig unbekannte Dimensionen in Militär und Waffenproduktion zu finanzieren. Neben der Ausgabe von Papiergeld (Greenbacks) wurde deshalb 1861 auch erstmals eine – aber immer noch sehr moderate – Einkommensteuer verabschiedet. Dies alles aber nur im Norden, der Süden blieb einer rabiaten Steuergegnerschaft verpflichtet, ein weiterer Grund warum der Norden dem Süden in diesem Konflikt deutlich überlegen war. Aber auch die siegreichen Nordstaaten hielten nicht lange an der Steuer fest, bereits 1872 wurde sie aufgrund ihrer Unpopularität wieder rückgängig gemacht. Erschwerend hinzu kam dann, dass 1895 der Supreme Court in einer Grundsatzentscheidung die Erhebung einer Einkommensteuer auf Bundesebene de facto für verfassungswidrig erklärte.

Schnell stellte sich aber heraus, dass der komplette Verzicht auf eine Einkommensteuer schlicht nicht mehr mit den Erfordernissen des Zentralstaates in einer „modernen“ Industriegesellschaft vereinbar war. Die Lösung bildete das 1913 verabschiedete 16. Amendment zur Verfassung.

Erst 1913 erhält der Kongress das Recht Steuern auf Einkommen zu erheben

Aber auch nach der Legalisierung blieb die Besteuerung von Einkommen immer umstritten und die jeweiligen Steuersätze wurden häufig deutlich nach unten korrigiert. So senkte der Präsident Calvin Coolidge die durch die Kriegsfinanzierung des Ersten Weltkrieges hohen Sätze mit den Worten ab: „Collecting more taxes than is absolutely necessary is legalized robbery.“ Immer wieder wurde zudem versucht die Einkommensteuer abzuschaffen und durch eine Mehrwertsteuer zu ersetzen. Dies wurde zwar nie umgesetzt, aber die Diskussionen um die Rechtmäßigkeit einer bundeseinheitlichen Einkommensteuer bleiben den USA bis auf den heutigen Tag erhalten. Der Republikanische Präsidentschaftskandidat von 1964, Barry Goldwater formulierte seine Ablehnung, wie so vieles, recht drastisch: „The income tax created more criminals than any other single act of government.“  

Am schönsten hat die, oft mit einer generellen Staatsskepsis verbundenen, Ablehnung von Steuern, die viele Amerikaner hegen, aber wohl der Entertainer Will Rogers auf den Punkt gebracht: „The difference between death and taxes is death doesn’t get worse every time Congress meets.“

 

Media Outline – 18.12. und Vermischtes

newspapers

Zunächst muss ich ein neuerliches Sorry loswerden. Es gab keinen Casual Friday, Asche auf mein Haupt. Zum Einen lag das daran, dass ich gerade echt irgendwie in so einem vorweihnachtlichen Kreativloch feststecke, es wollen sich einfach partout keine Ideen einstellen. Dann hab ich momentan auch einiges um die Ohren, es gibt berufliche Neuerungen meinerseits, die in Teilen auch den Blog betreffen und dazu führen, dass ich weniger Zeit habe. Sie bringen aber auch mit sich, dass ich Euch in absehbarer Zeit mal wieder Dinge aus den USA selbst mitteilen kann. Ich werde Euch zu gegebener Zeit genauer darüber unterrichten, wie, was, warum und so. Es kann aber sein, dass ich auch unbhängig von der Weihnachtspause, die ich ab nächster Woche einlegen werde, nicht mehr in der üblichen Regelmäßigkeit zum Bloggen kommen werde. I´ll keep you informed 😉

Was gab´s zu Lesen?

So, was gabs ansonsten zu Lesen über dem Atlantik? Ein großes Thema war die Beendigung der Netzneutralität durch die Federal Communication Commission (FCC) vergangenen Donnerstag. Diese Entscheidung, von vielen Kritikern, auch hierzulande, als Ende des freien Internets gefürchtet, wird von vielen Kommentatoren in den USA gar nicht mal so negativ bewertet. So geht Ian Bogost im Atlantic, ein renommierter Medienwissenschaftler, davon aus, dass sich für den Konsumenten zunächst einmal gar nicht viel ändern wird. Zudem hätten von der bisherigen, netzneutralen Praxis, vor allem große Internetgiganten wie Google profitiert, die mir ihren beinahe unerschöpflichen finanziellen Ressourcen, auch als physische Breitbandanbieter monopolistische Tendenzen an den Tag legten.

Einen etwas anderen Jahresrückblick wagt sodann die Vanity Fair. Dort blickt man auf 2017 mittels der schlimmsten Händedruckszenen Donald Trumps zurück. Es sind zwar nur sieben und keine zwölf, witzig nachzulesen und anzuschauen ist es aber trotzdem: Donald Trumps Awful Handshakes.

Geschenketipps und Star Wars

Noch auf der Suche nach Weihnachtsgeschenken? Hier könnte das Magazin Wired abhilfe schaffen. Dort werden nämlich sechs empfehlenswerte Kochbücher vorgestellt.

Von thailändischen Suppen, über Marktküche bis zu einem möglicherweise für Foodfotografen spannenden Slow Food-Kochbuch ist da manches dabei, vielleicht ja auch für Euch. Dank der Krake aus Seattle, ist es ja auch kein großes Problem mehr, abseitigere Titel unter den Baum legen zu lassen.

Dann kommt die dieswöchige Media Outline natürlich nicht ohne Star Wars aus. Ich bin mit Star Wars aufgewachsen, ich gehöre genau zu der Generation, die unbedingt ein Lichtschwert haben wollte. Deshalb wird für mich der neueste Output über das Imperium und die Jedi Ritter selbst- aber sowas von selbstverständlich auf dem Weihnachtsprogramm stehen. Es ist nun aber so, dass nicht nur hierzulande die Kritiker recht überschwänglich reagiert haben. Auch der Atlantic ist hin und weg und meint, dass es Regisseur Rian Johnson gelungen sei, einen Star Wars-Film sowohl für Fans der ersten Stunde, wie potentielle Neueinsteiger zu drehen. Also wenn ich Euch wäre, dann würde ich mir das ansehen, möge die Macht mit Euch sein 😉

 

Aus aktuellem Anlass – Roy Moore

Eher mal wieder was in Richtung Trump´s Day statt einem American Potpourri heute. Aber der Anlass scheint mir wichtig genug zu sein. Roy Moore hat die Senatswahl in Alabama verloren. Und das ist nicht nur ein ziemlicher Schlag für den Donald, sondern eine handfeste politische Sensation. Noch gestern hatte der Südstaaten-Experte Clyde Wilcox in der Süddeutschen orakelt, dass in Alabama selbst Jesus als Demokrat keine Chance hätte.

Southern Politics

Das es im amerikanischen Süden in vielerlei Hinsicht etwas speziell zugeht, hatte ich ja an anderer Stelle schon einmal beschrieben. Alabama gehört nun zum tiefen Süden, ist ein Teil des extrem konservativ geprägten „bible belt“, evangelikal, strukturschwach und arm. Bis in die 1960er Jahre bestimmten noch die konservativen Südstaaten-Demokraten und Segregationsbefürworter wie George Wallace hier die politische Landschaft. In dem Moment aber, in dem sich die Demokratische Partei auf Bundesebene unter Lyndon B. Johnson deutlich nach links orientierte und begann die Bürgerrechtsbewegung zu unterstützen, füllten die Republikaner das entstehende Vakuum. Wenn man hier als Demokrat überhaupt eine Chance haben wollte, dann musste man schon aus dem Süden stammen und dem konservativen Flügel der Partei angehören. Nun stammt der gestern siegreiche Doug Jones zwar aus Alabama, gilt aber als klassischer Vertreter des linksliberalen Parteiestablishments, mal abgesehen davon, das er das Recht auf Waffenbesitz verteidigt – würde er das jedoch nicht tun, dann bräuchte er in einem Staat wie Alabama tatsächlich gar nicht erst anzutreten. Als Staatsanwalt galt er als recht furchtloser Streiter für die Bürgerrechte, ließ alte Attentate des Ku Klux Klan neu untersuchen oder Anschläge auf Abtreibungskliniken verfolgen. Beides Dinge die im weißen Teil der Bevölkerung nicht gerade Begeisterungsstürme auslösen. Umso bemerkenswerter, dass es ihm gelungen ist, diese Wahl zu gewinnen.

Ein Problem für den Donald

Tagespolitisch ist die Niederlage des, zugegeben wegen der zahlreichen Missbrauchsvorwürfe auch hochumstrittenen Roy Moore, vor allem aus zwei Gründen eine super Nachricht. Zum Einen schmilzt der Vorsprung der Republikaner im Senat auf einen mickrigen Sitz zusammen, will heißen es darf keine republikanischen Abweichler mehr geben. Zudem dürfte Moores Niederlage den moderaten Kräften in der Republikanischen Partei Auftrieb geben. Durch die bedingungslose, persönliche Unterstützung die Trump Moore zukommen ließ, ist das Ganze nämlich auch eine ganz persönliche Niederlage für Trump und das ist ja nun immer eine gute Nachricht.

Media Outline – 11.12.

newspapers

Zunächst einmal ein kurzes Sorry für den ausgefallenen Casual Friday, ich hatte leider zu viel um die Ohren letzte Woche und bin deshalb nicht dazu gekommen. Auch die heutige Media Outline wird recht knapp ausfallen, ab Mittwoch gibts das hier dann wieder in der gewohnten Länge, versprochen 😉

Konservatismen

Man vergisst es in Zeiten eines Herrn Trump ja gerne, aber die Republikanische Partei – oder Grand Old Party (GOP) – ist ja auch immer noch die Partei eines Abraham Lincoln oder Theodore Roosevelt. Präsidenten also, die zumindest nach innen durch ihre progressiven Ideale in die Geschichte eingegangen sind.

Der New Yorker sieht die einstmals stolze Partei nun nach der einjährigen Amtszeit des Donald endgültig vor einem Scherbenhaufen stehen. Die Wahlempfehlung Trumps für den erzkonservativen Senatskandidaten Roy Moore in Alabama sei die letztgültige moralische Bankrotterklärung der einst stolzen Partei. Aufgrund der zahllosen Mißbrauchsvorwürfe denen sich Moore zu erwehren hat, sei dies möglicherweise der point of no return, eine Entscheidung von der sich die Republikaner nicht mehr erholen würden.

Auf einer tieferen Ebene beschäftigt sich die NY Review of Books mit der Zukunft des amerikanischen Konservatismus im Zeitalter von Trump generell. Ich selbst bin mir zwar nicht sicher, ob man Trump überhaupt als Konersvativen klassifizieren kann, oder nicht eher einer durchaus spezifisch amerikanischen Spielart von Populismus, aber gut. Es gebe momentan eine inhaltliche Schlacht unter Konservativen, was eigentlich genau unter „konservativ“ zu verstehen sei. Die Lager gruppieren sich hauptsächlich um zwei verschiedene Think Tanks. Zum Einen die einem klassischen Konservatismus verpflichtete Heritage Foundation in Washington DC. Zum anderen das in Kalifornien beheimatete Claremont Institute, das einem aggressiv-nationalistischen Konservatismus das Wort redet. Im Kern dreht sich die Auseinandersetzung um eine sehr unterschiedliche Interpretation der amerikanischen Gründungsgeschichte. Sehen die Einen in der amerikanischen Revolution nach wie vor den Kern eines amerikanischen, quasi ahistorischen Exzeptionalismus – Claremont – akzeptieren die anderen, den Wandel des amerikanischen Experiments durch Einwanderung und begrenzte staatliche Steuerung – Heritage. Eine faszinierende Lektüre: Donald Trump´s Brains.

Ein bissel Netflix

So, dann soll es ja Leute geben, die ein Netflix-Abo besitzen. Hier empfiehlt der Atlantic ziemlich euphorisch die zweite Staffel von The Crown, ein Historiendrama über die Regierungszeit Elisabeth´ II. Die Serie sei brillante Charakterstudie, aufschlußreiche Geschichtsstunde und gute Unterhaltung in einem, zudem exzellent besetzt und ausgestattet. Mich würde das thematisch jetzt nicht sonderlich interessieren, aber evt. ein Tipp für manch einen von Euch geneigten Lesern…

Ich selbst habe Netflix gerade auch mal wieder wetterentsprechend einen Probemonat aus den Rippen geleiert und schaue da gerade The Sinner, was ich bislang ziemlich gelungen finde – und das ist für mich als bekennenden Nicht-Seriengucker ein Riesenlob  😉 Schon früh als inakzeptabel langweilig abgebrochen wurden sowohl Ozark wie auch Mindhunter. Rein thematisch hatte mich zudem Frontier gereizt, eine Geschichte um die Konflikte im kanadischen Pelzhandel des 18. Jahrhunderts rund um die Hudson Bay Company, amerikanischen Raubtierkapitalisten und Trappern. Leider merkt man dieser Serie ihr wohl nicht allzugroßes Budget doch sehr stark an, wie ich finde…