Wildlife auf dem PCT

Mensch, da gibts doch bestimmt Bären?!?!, ist eine der häufigsten, ängstlich unterlegten, Nachfragen, wenn es um meine Unternehmung geht (by the way: wenn es spezifische Themen gibt, über die ihr gerne etwas erfahren möchtet, dann könnt ihr gerne eine Anregung in den Kommentaren hinterlassen. Ich werde je nach meinem Kenntnisstand gerne auf die Wünsche einzugehen versuchen).

Ich möchte euch hier nun kurz vorstellen, mit welchen Begegnungen aus dem Tierreich man tendenziell zu rechnen hat und warum das in aller Regel ziemlich ungefährlich ist.

  1. wird man in der Tat fast sicher Bären begegnen und zwar dem Ursus americanus, dem amerikanischen Schwarzbär (wobei die Fellfarbe von schwarz bis braun changiert). Diese gibt es auf der gesamten Strecke des PCT und im Schnitt trifft ein Wanderer ca. 3 Bären auf einem Thru-Hike. Nur wenige sehen auf einem Thru-Hike gar keine Bären, darauf sollte man sich also auf jeden Fall einstellen. Die gute Nachricht dabei: Bären interessieren sich für dich überhaupt nicht und hauen in der Regel direkt ab, wenn sie auf Menschen treffen. Die schlechte Nachricht: Bären interessieren sich wiederum sehr für Dein Essen. Darum der verpflichtende Bärenkanister in der Sierra Nevada und an manchen stark frequentierten Campstellen auch fest installierte Aufbewahrungsbehälter. Ansonsten schlafen die meisten Wanderer mit ihrem Essen, nur die wenigsten hängen es in einen Baum. Ich verzichte hier jetzt mal auf die allgemein anerkannten Verhaltensregeln zum Thema Bären, ich glaube es ist schwer einzuschätzen, wie man tatsächlich reagiert, steht so ein Tier wirklich mal vor einem. Wichtig ist nur, nicht wegzurennen und sollte der Bär nicht von alleine das Weite suchen, laut zu rufen, sich groß machen, dem Bären zeigen I´m the boss around here. Es ist im übrigen auf dem PCT noch niemals ein Wanderer von einem Bären tödlich verletzt worden, deshalb kann mich auch die neu hinzugewonnene Erkenntnis nicht schrecken, dass es in den North Cascades auch eine kleine Population von Grizzly-Bären gibt (http://www.nps.gov/noca/learn/nature/grizzly-bears.htm), und jeder der neulich den DiCaprio-Streifen The Revenant gesehen hat, könnte beim Gedanken an eine Begegnung mit so einem Viech, durchaus ins Schaudern geraten. Und überhaupt, wer will schon einem Tier begegnen, das den schmucken zoologischen Namen Ursus arctos horribilis trägt? Ist wohl auch noch nie jemandem passiert, von daher…
  2. gibt es auf dem kompletten Gebiet des PCT Pumas, auch Berglöwen genannt (https://de.wikipedia.org/wiki/Puma). Es gilt als ziemliches Privileg, wenn man einem solchen begegnet, allerdings gab es in den letzten Jahren immer mal wieder Wanderer, die Pumas gesehen haben und manchmal sogar von diesen verfolgt wurden. In der Regel sind Menschen für Pumas keine Beutetiere und werden somit eher aus Neugierde beobachtet. Dennoch sollte man da schon vorsichtig sein und im Prinzip die gleichen Regeln wie bei den Bären befolgen. Aber wie gesagt, Sichtungen sind extrem selten und Angriffe auf Menschen noch viel seltener. Auf dem PCT noch niemals passiert.
  3. Klapperschlangen, darunter auch die hochgiftige Mojave-Klapperschlange (https://de.wikipedia.org/wiki/Mojave-Klapperschlange), wird man wie Bären auf jeden Fall sehen. Diese warnen einen aber rechtzeitig mit ihrer Rassel, man sollte daher, wenn man Musik auf dem Trail hört, immer ein Ohr frei haben. Für SoBos ist zudem die Klapperschlangen-Dichte in der Wüste niedriger, da sie sich zu der Jahreszeit, in der SoBos durchkommen, oft schon in Richtung Winterruhe begeben haben. Andere Schlangen auf dem PCT, wie die Gopher Snake, sind nicht giftig.
  4. in Südkalifornien gibt es Skorpione und Taranteln, die giftig, aber nicht tödlich sind. Hier sollte man morgens seine Schuhe ausschütteln, bevor man sie anzieht und auch sonst schauen, dass nicht zufällig eines der Tierchen am Rucksack oder so hängt.
  5. Kojoten (https://de.wikipedia.org/wiki/Kojote) sind auch relativ häufig, aber in der Regel nur neugierig und harmlos. Angriffe auf Menschen sind extrem selten, auf dem PCT meines Wissens nach gänzlich unbekannt.

Andere Raubtiere, denen man theoretisch begegnen kann, sind Füchse, Luchse und Wölfe in den North Cascades, die ersten beiden können vorkommen, letzteres ist ähnlich wahrscheinlich wie ein Lottogewinn.

Das wären die potentiell furchteinflössenden Teile der Tierwelt. Man wird oder kann natürlich noch zahlreichen völlig harmlosen Tieren begegnen. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Murmeltiere, Hirsche, Rehe, Eulen, zahlreiche Greifvögel, Schneeziegen und Elche in den North Cascades (https://de.wikipedia.org/wiki/Schneeziege).

Eine gesonderte Bemerkung sollte zum Thema Nagetiere gemacht werden. Mäuse und Streifenhörnchen (https://de.wikipedia.org/wiki/Streifenh%C3%B6rnchen) sind wie Bären extrem am Essen der Wanderer interessiert, fressen sich zu diesem Zweck durch die Foodbags und Zeltwände und übertragen dabei Krankheiten. Dies gilt besonders für das relativ feuchte Washington, in dem man ja als SoBo beginnt. Hier empfiehlt es sich deshalb tatsächlich sein Essen an einem Baum aufzuhängen oder Campstellen zu nutzen, die nicht stark oder besser noch gar nie als solche genutzt wurden. Denn die Nagetiere haben ein gutes Gedächtnis und kommen immer wieder dahin zurück, wo es schon mal was abzugreifen gab.

Ihr seht also, Tiere sind definitiv kein Grund, sich vor einer PCT-Wanderung zu fürchten, wenn man Respekt hat und sich an einige Grundregeln hält.  Ich jedenfalls tu´s nicht. Ich lass Euch dann wissen, ob ich das nach einer Bärenbegegnung immer noch so sehe. Tue ich übrigens – wie das war mit den Bären: hier entlang.

 

 

 

Advertisements

2 Gedanken zu “Wildlife auf dem PCT

  1. Hier wären vermutlich noch die wildumherschießenden Amerikaner zu nennen ! Daher immer Farbige Jacken/Shirts tragen. Das habe ich hier in Utah sofort beigebracht bekommen! =)

    Gefällt mir

    1. Tatsächlich kommen wir als SoBos glaub in Südkalifornien mitten in die Jagdsaison und da hab ich auch schon gehört, dass das potentiell nicht ungefährlich ist. Nicht dass wir nachher ausversehen für umherirrende Hirsche gehalten werden 😉 Ich hätt auf jeden Fall die waffenstarrenden Deerhunters erwähnen sollen als Wildlife 🙂

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s