Die PCT-Schule

Was man auf dem PCT lernt:

– Campstellen finden: auch wenn viele Campsites in den einschlägigen Apps als soche verzeichnet sind, ist man öfter gezwungen auch abseits derselben nach Schlafstätten zu suchen. Man wird sehr schnell zum Experten, wenn es darum geht ebene Stellen zum Zelten zu finden. Ab einer gewissen Zeit sucht das Auge radarähnlich die Umgebung nach möglichen “I need to pitch my fucking tent this moment“ ab. Meist mit Erfolg.

– Feuer machen, egal mit was: die zweite Camppflicht, nach dem Zelt aufbauen – zumindest wo erlaubt. Man bekommt auch mit nassestem Zeug ein Feuer hin, egal mit was, Klopapier, Moos, whatever.

– Geduld: man kommt irgendwann auf die Passhöhe, ganz sicher. Irgendwann. Die Switchbacks des PCT können einen in den Wahnsinn treiben. Aber man kommt an seinem Ziel – das man sich im übrigen jeden Tag setzen sollte, das motiviert – an. Irgendwann. Nur Geduld und die lernt man.

– Duschen wird massiv überschätzt.

– Kleinigkeiten sind großartig, der Burger in der Stadt, das Mitgenommenwerden beim Trampen. Man lernt Dankbarkeit.

Was man auf dem PCT nicht lernt:

– Verzicht auf Bier oder sonstige Drogen, wer diesen zugeneigt ist. Dieser Weg ist ein verdammter Kifferhighway und auch an Pilzen, Meskalin u.ä. herrscht kein Mangel. Und auf das Bier in den Städten verzichten wirklich nur die Wenigsten.

– Einsamkeit. Selbst als SoBo wird man Leute treffen und die eher wenigen, die man trifft werden vermutlich zu den tollsten Menschen gehören, die man kennt. Hat mir die kanadische Mitwanderin doch z.B folgendes geschrieben: “Google, I was absolutely convinced, that you of all people will make it to Campo, I’m so sorry.“ Nur wenn man komplett antizyklisch läuft, ist man alleine.

– Die Motivation woanders wandern zu gehen. Es ist zu fantastisch. Landschaftlich und von den Menschen her. Dagegen verblasst das allermeiste, deshalb komme ich auch irgendwann wieder.

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5 Gedanken zu “Die PCT-Schule

  1. Kifferhighway … das hilft natürlich, bei den Bären ganz relaxed zu werden. Meinst aber wirklich, dass es die Motivation zu wandern (also an anderen Orten) dämpft? Ich glaube, wenn man ein bisschen schaut, finden sich doch einige geile Strecken. Und nicht nur der PCT, CDT oder der Appalachian Trail 😉

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    1. @Gennaro & @ Martin: Ne, das ist auch mit dem Appalachian Trail nicht vergleichbar. Sagen auch ehemalige AT-Hiker, die ich getroffen habe. Der CDT noch klar, alles andere kannst in die Tonne kloppen. Sowohl landschaftlich als auch von den Leuten, die das machen.
      Ihr bekommt einen Typen zurück, dessen Frontier-Sehnsucht größer ist denn je, und der ganz grundsätzlich wieder festgestellt hat, warum Europa in vielerlei Hinsicht (es gibt immerhin viel zu erzählen) so viel langweiliger ist. Ich kanns auch net ändern 😉

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  2. Auf der Alb ist auch gut wandern, der ökologische Fußabdruck ist kleiner, es gibt weder Bären noch Bewaffnete mit Maschinengewehren und Kiffnasen hat es in Albstadt und Balingen auch genügend … also give it a rest

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  3. Schade, dass dein Knie nicht weiter gehen kann. Aber es wäre nicht so toll, wenn es einfach wäre… Vielleicht ein anderes Mal… Bis bald,

    Cyril

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