Medienlandschaften

Herr Trump befindet sich nach eigenen Worten in einem Krieg mit den Medien, sieht sie gar als „Feind des amerikanischen Volkes“, sein Chefberater Steve Bannon (über den ich tatsächlich auch darüber nachdenke mal einen Beitrag zu schreiben) empfiehlt ihnen den Mund zu halten und betrachtet sie als eigentliche Oppositionspartei. Zeit also sich einmal mit der amerikanischen Medienlandschaft zu beschäftigen und Euch einen Eindruck davon zu geben, wie diese aussieht und ob es da Unterschiede insbesondere zum deutschen Pressewesen gibt.

Von der amerikanischen Revolution bis in die 1890er Jahre war die Presse in den USA eine stark parteipolitisch gefärbte Veranstaltung. Einzelne Zeitungen verbanden sich meist mit den Zielen und Inhalten einer bestimmten politischen Partei, oder eines spezifischen gesellschaftspolitischen Anliegens (z.B. Abolitionismus). Ab den 1890er Jahren identifizierte man dann die beiden großen Parteien selbst mit zahllosen Übeln der Industriegesellschaft und brachte sie mit Korruption, Vetternwirtschaft und Selbstbereicherung in Verbindung. Das änderte auch die amerikanische Presselandschaft in einem starken Ausmaß, nun war es sehr vielen Zeitungen und Zeitschriften ein großes Anliegen, sich gerade nicht mit einer bestimmten politischen Strömung gemein zu machen, sondern „überparteilich“ und „objektiv“ zu berichten. Dies führte damit deutlich früher als in Deutschland zu dem, was man gemeinhin als Investigativjournalismus bezeichnet – in den USA wurde diese Praxis als muckraking, also schmutzaufwühlen, bezeichnet. Das fängt mit einem quasi-dokumentarischen Roman wie Upton Sinclairs The Jungle an, der die unhaltbaren hygienischen Zustände in den Schlachthöfen Chicagos an die Öffentlichkeit brachte und eine Gesetzesinitiative zur Verbesserung der Standards nach sich zog und reicht dann bis zu weltberühmtem Enthüllungsjournalismus im Rahmen der Watergate-Affäre. Generell lässt sich aufgrund der wechselnden politischen Systeme die Freiheit der Presse und deren Möglichkeitsräume in Deutschland nicht durchgängig mit dem der USA vergleichen, aber auch in der BRD blieb es einzelnen Magazinen wie dem Spiegel vorbehalten, einen „klassischen“ Investigativjournalismus zu betreiben. Andere Printmedien blieben sehr viel stärker bestimmten politischen Strömungen verhaftet – FAZ bürgerlich-konservativ, SZ linksliberal, taz grün-alternativ, etc.pp.

Der möglicherweise größte Unterschied zwischen der deutschen (hier könnte man sogar von einer europäischen) und der amerikanischen Medienlandschaft, besteht im Radio- und Fernsehbereich und hier in der Rolle des Staates. Während in den meisten westeuropäischen Ländern trotz Privatfernsehen und Pay-TV immer noch ca. 30-40 % des Fernsehpublikums seine Informationen aus öffentlich-rechtlichen Sendern bezieht, spielen staatlich geförderte und bezuschusste  Radio- und Fernsehsender in den USA so gut wie überhaupt keine Rolle. CNN, ABC, NBC, MSNBC und auch Fox News sind so gut wie komplett privat finanzierte Unternehmen, die damit einerseits natürlich, den Gesetzen des Marktes nach, gewinnorientiert und damit stark werbefinanziert arbeiten müssen, andererseits aber auch sehr viel unabhängiger von staatlicher Einflußnahme agieren können.

Nun ist natürlich auch in den USA die Krise der klassischen Printmedien im Zuge der zunehmenden Konkurrenz aus dem Online-Bereich deutlich spürbar, man könnte sogar sagen, sie nahm dort ihren Anfang. Durch die Beheimatung zahlreicher Branchenführer des Internetzeitalters in den USA entwickelte sich hier auch früher eine sehr diversifizierte Medienlandschaft im Internet, die die Tradition des muckracking hier fortführt und dafür neben etablierten Printmedien wie der NY Times, Washington Post oder Chicago Tribune, einen weiteren Pfeiler bildet, teils ausschließlich online, teils in beiden Welten. Von Pionieren wie der Huffington Post, BuzzFeed oder Politico, bis zu neueren Gründungen, wie The Intercept, Muckety oder SourceWatch, bereichert dieser Digitaljournalismus die amerikanische Medienlandschaft und ist etwas, das in Deutschland noch in den Kinderschuhen steckt. Ein weiteres Merkmal der amerikanischen Medienlandschaft, ist die größere Verbreitung von intellektuell hochwertigen Magazinen, die meist monatlich oder noch seltener erscheinen, meiner Meinung nach eine große Marktlücke in Deutschland. Publikationen wie die NY Review of Books (meiner bescheidenen Meinung nach das Beste, was man lesen kann), The Atlantic, The New Yorker oder auch n+1 sind ein weiterer Baustein einer großen und meist sehr lesenswerten Vielfalt.

In welchem Bereich auch immer gilt es zu hoffen, dass die amerikanischen Medien ihre lange Tradition an Widerstand gegenüber den Mächtigen bewahren, dem Druck standhalten und ihre Rolle als 5. Gewalt gegen die Angriffe aus dem Weißen Haus verteidigen werden, denn viel Wichtigeres als eine freie, unabhängige Presse gibt es für eine Demokratie kaum.

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