Melania

Eine der interessanteren Kontroversen rund um die Trump-Präsidentschaft, finde ich die Diskussion, die man um die Rolle der meist absenten First Lady führt. Die Gute hält sich ja zumeist im New Yorker Trump Tower auf, um das schulische und soziale Wohlergehen des kleinen Barron nicht zu gefährden, währenddessen der 20-köpfige Stab im Ostflügel des Weißen Hauses sitzt und nicht ganz so genau weiß was tun. Nun gibt es vor allem zwei hauptsächliche Darstellungen dieser Dame. Entweder sie wird von Satiresendungen wie Stephen Colberts Late Show, oder hierzulande Carolin Kebekus´ Pussy Terror TV als osteuropäisches Modeldummchen porträtiert, die mit den Aufgaben einer First Lady heillos überfordert ist.

Die eigentlichen Aufgaben von Melania seien längst von der noch schöneren Tochter Ivanka übernommen worden, die ja mit ihren 35 Jahren immerhin noch das väterliche Check-Out Datum weiblicher Attraktivität ankratzt.

In einigen amerikanischen Medien wird dieses Argument auf einer ernsthaften Ebene noch dadurch unterfüttert, dass der amerikanische Steuerzahler alleine für die Kosten des Personen- und Gebäudeschutzes in New York nach manchen Schätzungen 500 000 $ pro Tag berappen muss, da sind dann die Personalkosten im Weißen Haus und die wochenendlichen Ausflüge nach Florida noch gar nicht mitgerechnet.

Die zweite Interpretation der Nicht-Rolle, die Frau Trump einnimmt, lautet hingegen ganz anders. Wie ein Kommentator in der NY Times dazu trocken bemerkte: „You want Mrs. Trump in the White House? Then pay her!“ Hier wird Melania Trump als feministische Vorkämpferin und das unentgeltlich auszuübende Ehrenamt der First Lady als überkommenes Rollenklischee gesehen, dem sich Frauen wie sie, oder auch Frank-Walter Steinmeiers Gattin Elke Büdenbender, widersetzten und damit gar eine Vorbildfunktion einnähmen.

Für letztere Deutung bedürfte es meiner Meinung nach natürlich den kaum zu erbringenden Nachweis, dass sich Melania Trump reflektiert und bewußt für diese Verweigerungshaltung entscheidet. Eine spannende Frage, wie die Gattin (oder auch der Gatte) einer öffentlichen Person, ihre Rolle auszufüllen hat – oder eben auch nicht – ist das aber schon, eine klare Position dazu habe ich selbst irgendwie noch nicht gefunden.

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4 Gedanken zu “Melania

  1. Donald Trump verzichtet ja auf ein Gehalt für seine Amtsführung – habe ich zumindest gelesen. Wäre schon lustig, wenn im Gegenzug die Gattin erstmals ein Gehalt als „First Lady“ bekäme.

    Das Argument, der Sohn solle das aktuelle Schuljahr in New York abschließen, kann ich nachvollziehen. Ließe sie ihn dort allein (mit Nannys und Hauspersonal), käme das wohl noch schlechter an. Und die Kosten für den Schutz sowohl der Ehefrau als auch der Kinder des Präsidenten fielen doch ohnehin an, zumindest wenn sie nicht 24 Stunden täglich in unmittelbarer Nähe Donald Trumps wären (und wer will das schon?).

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    1. Ja, Trump verzichtet auf sein Gehalt das stimmt. Ansonsten geht das Argument bei Melania/Barron folgendermaßen: es handelt sich (angenommenerweise) um ein aufgeklärtes Ehepaar. Er: Ich will Präsident werden. Sie: Kannst Du machen, aber ich ziehe nicht um. Hier würden Kritiker dann sagen, dass Sie das gerne so machen kann, dann aber außerhalb der „regulären“ Schutzzone des Weißen Hauses, für die es eben ein Budget gibt, das Ganze auf eigenes Risiko tut. Will heißen Sie und Barron müssten dann damit leben einer erhöhten Gefahr ausgesetzt zu sein. Im Grunde geht es um Verhältnismäßigkeit, zumal es ja auch um die Art der Zweitresidenz geht, so ein Teil wie der Trump Tower ist eben auch nur sehr aufwendig zu bewachen. Ist die Vollendung ein Schuljahrs und Melanias Selbstbestimmung ein legitimer Grund 182,5 Millionen Dollar Steuergeld auszugeben? Das ist schon eine interessante Frage, zumal es ja eine Art Präzedenzfall ist, der bislang noch nie dagewesen ist.

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  2. die letzte frage im letzten absatz ist in der tats spannend – ich musste da schon bei gaucks frau/freundin dran denken, die glaube ich auch recht zurückhaltend war im gegensatz zb zu bettina wulff. ich weiss im moment nur eins: für mich wärs keine rolle ;))

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    1. Ich gebe zu, dass ich da noch keine eindeutige Position gefunden habe, neige aber dazu, den Kritikern, die das unverhältnismässig finden recht zu geben, man könnte das dann ja aus der Trump-Schatulle bezahlen, aber wie gesagt ist eine wirklich schwierige Frage.

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