Das Imperium schlägt zurück

Erleben wir das nun gerade, das letzte Röcheln von Darth Vader, wie sich der rechtsnationalistische Vordenker Stephen Bannon gerne selbst nennt? Und wenn ja, was hätte das für Folgen?

Amerikanischen Beobachtern zufolge gibt es seit geraumer Zeit im Umfeld Donald Trumps einen Machtkampf zwischen dem Ideologen Stephen Bannon und moderateren Kräften, die man zumeist mit dem Schwiegersohn Jared Kushner, dessen Ehefrau Ivanka und den Politikprofis wie James Mattis und Herbert R. McMaster identifiziert, also sozusagen die Jedi Ritter, die der dunklen Seite der Macht etwas Vernünftiges entgegensetzen. Die dunkle Seite besteht hier vor allem in der dialektischen Geschichtstheorie, die Stephen Bannon, lose an die kruden Arbeiten der Hobbyhistoriker William Strauss und Neil Howe angelehnt, vertritt. Demnach besteht die amerikanische Geschichte aus ca. 80-jährigen Zyklen, nach denen grundstürzende Ereignisse revolutionären Charakters eine neue Epoche einleiten. Für Bannon sind das die Amerikanische Revolution, der Bürgerkrieg, die Weltwirtschaftskrise und nun jüngst der Krieg gegen den radikalen Islam, in dem sich die USA laut Bannon befinden. Dieser Krieg, und hier gibt es dann durchaus auch Anklänge an spezifische Strömungen der Konservativen Revolution in Deutschland in den 20er und 30er Jahren, soll eine reinigende Wirkung haben und ist unabdingbar für den Umsturz, den Bannon anstrebt. Deshalb sollte jedwede amerikanische Intervention auch ausschließlich dem Kampf gegen den IS gelten und andere Krisenschauplätze komplett isolationistisch gehandhabt werden.

Auf der anderen Seite stehen nun Vertreter einer Realpolitik im Stile eines Henry Kissinger – der angeblich tatsächlich den mit immensem Einfluß ausgestatteten Jared Kushner in außenpolitischen Fragen berät. Und hier spricht angesichts der jüngsten Ereignisse tatsächlich sehr viel dafür, dass diese Fraktion zumindest hinsichtlich der Außenpolitik, massiv an Einfluß gewonnen hat, egal welche Motivation der Donald nun genau für die Bannon´sche Degradierung hatte (verletzte Eitelkeit, von wegen Schattenpräsident und so; Blut ist dicker als Wasser, whatever). Sowohl der syrische Vergeltungsschlag, die Mother of all bombs in Afghanistan als auch der Flottenaufmarsch vor Nordkorea, tragen Züge einer klassisch interventionistischen Machtpolitik, die durch militärische Stärke versucht, politische Ziele zu erreichen. Sehr viel anders hätte das meiner Meinung nach auch unter Hillary Clinton nicht ausgesehen. Das Problem an einer Kissinger´schen Form von Realpolitik ist, dass sie erstens im Prinzip eines kühlen, rational operierenden Kopfes bedarf, nicht gerade eine der hervorstechendsten Charaktereigenschaften des Commander in Chief – ein Kissinger hätte sicher nicht die beautiful babies als Begründung herangezogen, sondern das Ganze als klare Botschaft an den Roten Platz verpackt. Zweitens nimmt eine solche Politik ziemlich zynisch etwaige Kollateralschäden immer in Kauf.

Auf einer übergeordneten Ebene finde ich die spannende Frage, ob wir hier dann gerade ganz generell die – offene – Wiederkehr einer klassischen Großmachtpolitik erleben, bei der einzelne Länder oder ganze Weltregionen nur noch Spielball und Verhandlungsmasse von global agierenden Großmächten sind. Sollte Trump jedenfalls weiterhin erkennen, dass er sich mit derlei außenpolitischen Manövern profilieren kann, dann sollten wir öfter damit rechnen, dass The (American) Empire strikes back, was bei der durchaus vertrackten Lage in Nordkorea schon ziemlich besorgniserrgend ist.

 

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