Nachruf – Denis Johnson (1949-2017)

Ein ganz Großer der amerikanischen Literatur ist vergangenen Mittwoch von uns gegangen und hierzulande haben das tendenziell zu wenige Menschen mitbekommen.

Das würde ich hier gerne ändern, denn Denis Johnson gehörte zu den Schriftstellern, die mich selbst intellektuell bislang am stärksten beeinflusst haben. Das fängt mit seinem Debütroman Engel an, einer Art Bonny & Clyde Geschichte, in der schon vieles grundgelegt ist, was das spätere Werk von Johnson auszeichnen sollte. Er erzählt von den gebrochenen Gestalten, von den Verlierern und Abseitsstehenden. Johnson beleuchtet schon in seinem Erstling immer auch die dunkle Seite des amerikanischen Traums, bild- und sprachgewaltig wie kaum ein Zweiter.

Sein dystopischer Roman Fiskadoro ist nichts weniger als eine brillante Reflexion über die Geschichte der Moderne, visionär in seinem Anspruch. Die halluzinatorische Abhandlung über Amerika und die Moderne, angesiedelt in den Florida Keys nach einem Atomkrieg, gehört zum Besten was die amerikanische Literatur in den 80er Jahren zu bieten hatte. Seinen schriftstellerischen Höhepunkt erreichte Johnson 2007 mit dem Roman Ein gerader Rauch (Tree of Smoke), ein postmodernes Epos über den Vietnamkrieg, in dem Johnson seine ganze Meisterschaft zum Tragen bringt und das mit dem National Book Award ausgezeichnet wurde. Sprachgewaltig und mit einer komplexen narrativen Struktur versehen, treibt er hier sein Spiel um Sein und Schein zum Höhepunkt:

„Sind Sie hinter der Legende her oder hinter den Tatsachen? Hinter der Wahrheit, Mann. Ich würde sagen die Wahrheit liegt in der Legende“.

dav
Falls noch nicht geschehen: Lesen.

Doch nicht nur seine Romane, auch die mit einander verknüpfte Kurzgeschichtensammlung Jesus´Son oder die Reportage In der Hölle: Blicke in den Abgrund der Welt, sind kleine Meisterwerke. Ich kann es tatsächlich immer noch nicht so recht glauben, dass The Laughing Monsters, das ich an dieser Stelle schon besprochen habe, wirklich das letzte Buch sein soll, dass ich von Denis Johnson gelesen habe. Seine Bücher waren nie optimistisch, nie ein Freudentanz und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen, haben sie einen immer klüger gemacht und weitergebracht. Er selbst hat sein persönliches Dilemma als Schriftsteller einmal so ausgedrückt:

“What I write about is really the dilemma of living in a fallen world. ‘Why is it like this if there’s supposed to be a God?’” R.I.P. Denis Johnson.

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2 Gedanken zu “Nachruf – Denis Johnson (1949-2017)

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