Filmbesprechung – Get Out

„Wissen die, dass ich schwarz bin? Sollten Sie? Willst Du nicht vielleicht…Du weißt schon. Mom und Dad mein schwarzer Freund kommt dieses Wochenende mit raus. Ich will nur nicht das ihr einen Schock kriegt, weil er…ein schwarzer Mann ist?“

Rose (Allison Williams) wohl behütete Tochter aus gutem Hause, will ihren Eltern erstmals ihren schwarzen Freund Chris (Daniel Kaluuya) vorstellen. Der fühlt sich zunächst offensichtlich unwohl dabei, doch der Antrittsbesuch auf einem herrschaftlichen Anwesen irgendwo in den Wäldern von Upstate New York lässt sich nicht länger aufschieben.

Rose´s Familie entpuppt sich dann als Idealtypus des liberalen, bürgerlichen Ostküstenestablishment. Der Vater (Bradley Whitford), angesehener Neurochirurg, hätte auch ein drittes Mal Barack Obama gewählt, wäre es denn möglich gewesen. Die Mutter (Catherine Keener) ist eine auf Hypnose spezialisierte Psychiaterin, die Chris alsbald von dessen lästiger Sünde des Rauchens kurieren will. Von Beginn an schafft es der als Comedian bekannt gewordene Jordan Peele in seinem Regiedebüt eine absolut faszinierende Atmosphäre des Hier-Stimmt-was-ganz-und-gar-nicht zu erzeugen. Die beiden schwarzen Bediensteten begegnen Chris Verbrüderungsversuchen mit einer ablehnenden Servilität, insbesondere die Köchin schafft hier eine Gruselperformance, wie man sie schon lange nicht mehr gesehen hat. Man kann hier leider auch nicht zu viel beschreiben, ohne wesentliche Effekte des Films zu spoilern.

Die am nächsten Tag anstehende Gartenparty (die in Wahrheit etwas ganz anderes bezweckt), auf der die Familie Armitage ganze Heerscharen an mit Limousinen vorfahrenden Freunden geladen hat, bringt dann den ganzen inhärenten Rassismus der liberalen Elite zum Vorschein. Stück für Stück werden die positiv gemeinten Klischeebilder des Afro-Amerikaners vor dem Zuschauer entblättert. Ein Vorwurf der Peele hier gemacht wurde, ist dass diese rassistischen Stereotype zu eindimensional gezeichnet seien. Das stimmt alleine dewegen nicht, weil man sich spätestens bei der ziemlich genialen Schlußszene selbst dabei ertappt, den Grund für das vermeintliche Ende zu kennen. Und der liegt tief in rassistischen Archetypen verborgen.

Jordan Peele hat mit exzellenten Schauspielern, die bislang meist aus Serien bekannt wurden – Richard Herd als daueralkoholisierter Bruder, ist z.B. aus der Sitcom Seinfeld bekannt  – zunächst einmal einen sehr guten, spannenden und beunruhigenden Horrorthriller gedreht, der sich aber auch nie zu ernst nimmt. Darüberhinaus ist Get Out aber auch ein hervorragender Kommentar zum alltäglichen Rassismus in den USA, der sich in alle Gesellschaftsschichten gefressen hat. Das hat Get Out sowohl in den USA als auch hierzulande zu einem absoluten Kritikerliebling gemacht. Auch von mir gibt es hier eine unbedingte Kinoempfehlung.

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3 Gedanken zu “Filmbesprechung – Get Out

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