Media Outline – 19.06.

Helmut Kohl ist tot und mit ihm starb wohl das letzte Stück der „alten“ BRD. Welche internationale Bedeutung der Einheitskanzler hatte, kann man sehr schön an den sehr prompten Reaktionen der amerikanischen Presse sehen, die nur unwesentlich später als die Kollegen in Deutschland darüber berichteten. Interessant ist hier, dass die amerikanischen Zeitungen sich deutlich stärker auf die politische Karriere fokussieren als das in Deutschland der Fall ist. Die familiären Probleme beispielsweise spielen in der dortigen Berichterstattung so gut wie keine Rolle. Einen Nachruf der sich stark auf die außenpolitischen Errungenschaften konzentriert und insbesondere den Einfluß Kohls auf die amerikanischen Präsidenten George H.W. Bush und Bill Clinton würdigt, bringt die New York Times. Den meiner Ansicht nach besten englischsprachigen – weil sehr differenziert – Text zu Kohl habe ich aber auf Politico gefunden. Helmut Kohl sei eine extrem ambivalente politische Persönlichkeit gewesen, der einerseits die europäische Einigung vorantrieb wie kaum ein zweiter, andererseits aber eine zutiefst deutsche Provinzialität ausstrahlte – The provincial Warhorse.

The Atlantic beschäftigt sich mit den Gründen für eine der spektakuläreren Firmenübernahmen in der jüngeren amerikanischen Vergangenheit. Amazon kauft für 14 Milliarden Dollar die Bio-Supermartktkette Whole Foods. Für Derek Thompson ist diese Übernahme nichts weniger als die Anbahnung einer weiteren fundamentalen Änderung  der Einkaufsgewohnheiten. Es gehe Amazon darum, auch den Lebensmittelhandel mehr und mehr ins Netz zu verlagern und damit insbesondere die wohlhabende, urbane Mittelschicht im Visier habe. In ein ganz ähnliches Horn bläst auch Wired, Amazon wird endgültig zum Everything Store. Das diese Strategie aufgehen könnte, sieht man daran, dass nach Bekanntgabe des Kaufs, die Aktien von Whole Foods-Konkurrenten wie CostCo, Dollar Tree oder insbesondere Sprouts ziemlich in den Keller rauschten.

Ein großartiger Kommentar in der NY Times vergleicht Donald Trump und den hochumstrittenen, ehemaligen UBER-Chef Travis Kalanick. Insbesondere wenn es um die Nicht-Behandlung von Frauen geht, sieht Maureen Dowd hier große Parallelen. Der Donald vergibt für Frauen ja bekanntlich Punkte auf einer 1-10 Skala, Kalanick nannte seinen Fahrdienst gerne auch schon mal Boob-er und warb in Frankreich damit „Hot Chick-Drivers“ in der UBER-Flotte zu haben.

Im New Yorker vergleicht dessen großartiger Herausgeber David Remnick – einer der besten Journalisten des Landes – die Situation im jetzigen Weißen Haus mit derjenigen unter Richard Nixon. Auch wenn es sich um sehr unterschiedliche Persönlichkeiten gehandelt habe, so sieht Remnick doch auch Vergleichbares innerhalb der Administrationen. Im einen wie im anderen Fall gab es mit der zunehmenden Heftigkeit der Skandale, Absetzbewegungen innerhalb der Bürokratie, die sich ganz langsam von einem äußeren Kreis in den inneren Zirkel der Macht vorfraßen. Ein sehr gutes Stück Journalismus.

 

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