Angriff auf die Bildung

Bei all dem Getöse um James Comey, Russland, der wie üblich völlig orientierungslosen Außenpolitik im Hinblick auf die Golfstaaten, ist ein Politikfeld etwas aus dem Blickfeld geraten. Die (Nicht-) Bildungspolitik, die der Donald und seine zuständige Ministerin Betsy de Vos durch den Budgetentwurf für 2018 durchsetzen wollen. Dabei handelt es sich bei diesen Plänen um nichts weniger als einen Fundamentalangriff auf die bundesstaatliche Bildungsfinanzierung.

Von Anfang an war schon die Wahl von Betsy de Vos hochumstritten. Die Milliardärin aus Michigan, eine jahrzehntelange Aktivistin im Bildungsbereich, gilt als fanatische Verfechterin eines Privatschulsystems. Ihr geht es darum, Gelder aus dem öffentlichen Schulwesen mittels so genannter Vouchers – einer Art Gutschein – hin zu frei wählbaren Privatschulen umzuverteilen. Das Problem dabei ist, dass die Ergebnisse der von ihr initiierten Probeversuche in Michigan unter Bildungsforschern extrem umstritten sind, um es vorsichtig zu formulieren. Die Leistungsfähigkeit vieler dieser profitorientierten Privatschulen blieben in Tests deutlich hinter denen öffentlicher Schulen zurück. Darüberhinaus zeigte sich Frau de Vos bei ihrer Anhörung im Senat in vielen Themenbereichen als gelinde gesagt schlecht informiert, oder sorgte mit unglaublichen Kalauern für Aufsehen. So wollte sie Waffen in Schulen mit der Begründung erlauben, man könne sich dann endlich vor Grizzlybären schützen. Der Widerstand gegen ihre Nominierung war jedenfalls so groß wie bei kaum einem anderen Minister aus Trumps Kabinett, genutzt hat er am Ende natürlich nichts.

So konnte sie sich also nun an ihr neoliberales Handwerk machen. Der aktuelle Budgetentwurf sieht vor, 13,6 % an Bundesmitteln im Bildungsbereich zu streichen. 10,6 Milliarden Dollar sollen aus existierenden Programmen wegfallen, die in allererster Linie Kinder aus Familien mit mittleren und niedrigen Einkommen, sowie bestimmte Minderheiten, fördern sollten. Zusätzlich sollen 1,4 Milliarden Dollar aus dem dem öffentlichen Schulsystem abgezweigt und auf Privatschulen verteilt werden. Das musste sie vor rund 2 Wochen nun auch im zuständigen Senatsausschuß verteidigen. Eine Mischung aus Arroganz, Ignoranz und Uninformiertheit, die man hier bewundern darf.

Doch damit nicht genug. Die Kürzungen sollen auch die Bundesförderanstalten für die Kunst und die Geisteswissenschaften treffen. Das National Endowment for the Arts und jenes für die Humanities sollen im Prinzip durch die Kürzungen gleich ganz abgeschafft werden. Ein erster Schritt zum letztlichen Ziel, dass die Bildungsexperin Diane Ravitch in der New York Review of Books darin vermutet, das Bildungsministerium mittelfristig ebenfalls ganz verschwinden zu lassen: „This budget reflects Trump and DeVos’s deep hostility to public education and their desire to shrink the Department of Education, with the ultimate goal of getting rid of it entirely.“

Nun ist Bildungspolitik in den USA noch viel stärker föderal organisiert und generell fragmentierter als in Deutschland. Die finanziellen Zuschüsse des Bundes spielen dementsprechend prozentual keine überwältigende Rolle. Trotzdem kann man nur hoffen, dass dieser Haushaltsentwurf im Kongress noch deutlich entschärft wird. Würde er nämlich so verabschiedet, bedeutete dies ein katastrophales Signal für die amerikanische Bildungslandschaft und verheerende Konsequenzen für sehr viele weniger betuchte Schüler und Studenten.

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2 Gedanken zu “Angriff auf die Bildung

  1. Wie schön, dass es dein Bildungsangebot hier gibt! Wissen im Vorrübergehen quasi… kompakt und interessant aufbereitet. Es mir selbst zu erarbeiten, würde ich sicher nicht tun. Daher vielen Dank für deinen Service.

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