Colson Whitehead – Underground Railroad

Ich bin sehr dankbar, dass ich heute Gabriela vom Buchperlenblog als Gastautorin begrüßen darf!

Ich freue mich sehr, dass ich heute meinen Beitrag zu Colson Whiteheads Roman „Underground Railroad“ hier auf diesem Blog als Gastrezension veröffentlichen darf.  Thematisch reiht sich die Geschichte bestens in die derzeitigen Beiträge rund um Südamerika ein.

Colson Whitehead – Underground Railroad

Buchdetails

Erscheinungsdatum Erstausgabe : 21.08.2017

Verlag : Hanser

ISBN: 9783446256552

Fester Einband 352 Seiten

 „Der anstellige afrikanische Junge, dessen schöne Lederstiefel sie trug, wäre unter Deck angekettet gewesen und hätte sich in seinem eigenen Dreck gewälzt. Sklavenarbeit bestand manchmal im Spinnen von Faden, ja; meistens jedoch nicht. Kein Sklave war jemals an einem Spinnrad tot zusammengebrochen oder wegen eines verhedderten Fadens abgeschlachtet worden. Aber über den wahren Zustand der Welt wollte niemand sprechen.“ (S.137)

Inhalt

Cora ist schwarz. Und eine Sklavin. Sie lebt auf einer Baumwollplantage im tiefsten Süden Amerikas mit hunderten anderen ihrer Art, unterjocht und gequält von den Plantagenbesitzern. Eines Tages kommt einer der anderen Sklaven auf sie zu, erzählt ihr von seinen Fluchtplänen und von der Underground Railroad. Mit diesem Hilfsnetzwerk soll die Flucht gelingen. Coras Mutter ist bisher die Einzige, der es gelungen zu sein scheint, aus den Fängen der Randallschen Plantage zu entkommen. Doch wird Cora es schaffen sich zu befreien und ein Leben zu leben, in dem sie Herrin ihrer Selbst ist?

Rezension

Dieses Buch habe ich mit Spannung und Freude erwartet und mich unglaublich gefreut, als ich es bereits vorab lesen durfte. Manchmal ist die eigene Erwartungshaltung dann so groß, dass das Buch diese gar nicht mehr erfüllen kann. Nicht so bei Underground Railroad. Dieses Buch ist ein Lese-Muss. Die Geschichte, die uns Colson Whitehead erzählt, ist Fiktion, doch sie ist gleichzeitig so real wie nur möglich. Cora ist eine von denjenigen, die den Mut haben, aufzustehen und das Leben, wie sie es kennen, hinter sich zu lassen. Den Mut, ein Leben auf der Flucht anzutreten, mit dem Wissen, wenn sie geschnappt werden, wird man sie qualvoll zu Tode foltern. Sie flieht mit Caesar und Lovey von der Plantage, sie durchqueren die Sümpfe und finden die erste Bahnstation. Denn anders als in der realen Welt, benutzt Whitehead die Underground Railroad nicht nur als Codenamen, sondern lässt sie Wirklichkeit werden.

Die Geschichte der Underground Railroad ist sehr interessant. Wer sich mit diesem Thema auseinandersetzt, stößt früher oder später auf den Namen Harriet Tubman. Selbst eine entflohene Sklavin, verhalf sie mit diesem Netzwerk aus Helfern 70 weiteren Menschen zur Flucht. Begriffe wie Stationsvorsteher, oder Schaffner waren Equivalente, um den Eisenbahncharakter aufrecht zu erhalten. So wurden Häuser, in denen die Flüchtigen innehalten und sich ausruhen konnten, Stationen genannt, der Stationsvorsteher war ein Mensch, der den Flüchtenden Unterschlupf gewährte. Die Flüchigen an sich wurden als Passagiere, Pakete oder Gepäck bezeichnet. Whitehead nahm sich dieser Begriffe an und gab ihnen ein reales Äußeres, er schuf eine wirkliche Bahnstrecke, die sich tunnelartig unter dem Land erstreckt, vor aller Augen verborgen und doch vorhanden.

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Was bedeutet Freiheit?

Coras Weg wird äußerst spannend beschrieben, nie fühlt man sich mit ihr wirklich sicher, immer lauern die Kopfgeldjäger hinter einer Ecke. Selbst als sie in dem angeblich aufgeklärteren South Carolina anlangt, einen Job und einen Wohnplatz hat, lauern die Schrecken überall. Neueste chirurgische Erkenntnisse sollen verfeinert werden, Geburtenkontolle nennen sie das. Doch ist das fortschrittlicher, als das Wegnehmen der Babys auf den Plantagen, der Verkauf von Neugeborenen?

Immer weiter führt sie das Netz der Underground Railroad. Doch nicht überall ist sie ein gern gesehener Gast und die Schneise von Tod und Ächtung hinter ihr wird immer breiter. Die Gräuel, die Cora auf ihrem Weg erleben muss, sind klar, fast schon emotionslos erzählt. Sie schneiden tief ins Gedächtnis, ohne mit dem erhobenen Finger zu deuten. Sprachlich bewegt sich Whitehead immer am Rand der Emotionalität, er berührt, ohne aufdringlich zu sein. So viele Menschen, die ihr Leben für die Unterdrückten gaben, lassen auf das Gute im Menschen hoffen.

Auch heutzutage ist das Thema der Rassentrennung – nicht nur in Amerika – weiterhin ein großes Thema. Die Tatsache, dass Donald Trump nach Barack Obama zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt wurde, spricht Bände. Auch wenn wir dunkelhäutige Menschen heute nicht mehr in metallene Ketten legen, die Ketten von damals tragen sie noch immer.

Fazit

Die Geschichte um Cora zeigt deutlich, dass es keine endgültige Freiheit geben kann, solange Menschen die falschen Gedanken im Herzen tragen, solange sie andere Menschen als Besitz sehen, solange Jagd auf sie gemacht werden kann.

Eines der ganz großen Lesehighlights in diesem Jahr, ein Lese-Muss für alle, nicht nur für die, die sich mit der grausamen Geschichte Amerikas auseinandersetzen wollen.

 

 

 

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3 Gedanken zu “Colson Whitehead – Underground Railroad

  1. Vielen Dank für den Tipp und die Besprechung! Ist das der erste (erfolgreiche) Roman des Autors oder müsste „man“ Whitehead eigentlich kennen? Ich bin nicht wirklich in amerikanischer Literatur bewandert, aber wenn das übersetzt ist und noch dazu bei Hanser erschienen (meist mag ich deren Bücher und die Aufmachung), wäre es ja einen Versuch wert 😉

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    1. Er ist in den USA bekannter als hier. Ich glaube Underground Railroad ist auch sein erster großer Erfolg hierzulande. Deutsche Kritiker sahen ihn bislang auch recht skeptisch. In den USA war er auch schon davor ein Name, er hat auch viele Essays geschrieben.

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  2. Ja, sehe jetzt erst das Etikett „Pulitzer“-Preis, womit sich die Frage nach der Prominenz erledigt hat. – Jedenfalls finde ich, Du könntest die Rubrik „Gastbeiträge“ ruhig etablieren, das sorgt für interessante Abewchslung.

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