Media Outline – 28.08.

Eine globale Krise?

Ich werde mehr und mehr zu einem Fan des Atlantic. In zwei wirklich guten Artikeln nähert sich das Washingtoner Traditionsblatt dem derzeitigen Stand der Dinge aus einer wirklich globalen Perspektive. Moisés Naím sieht im rasanten Wachstum einer globalen Mittelschicht den Ursprung der momentanen ökonomischen und politischen Turbulenzen. Die Konsummöglichkeiten dieser neuen Mittelklasse könnten mit dem ökonomischen Wachstum nicht mehr mithalten. Zudem würden gerade in dieser Schicht zunehmende Verlustängste grassieren, die in Teilen die derzeitige politische Radikalisierung erklären helfe. Der Historiker Philip Zelikowski wiederum nutzt zwei Beispielpersönlichkeiten, James Burnham und George Orwell, dazu die Frage aufzuwerfen, ob wir uns momentan in einer globalen Systemkrise befinden. Für Zelikowski lässt sich Geschichte häufig in Abfolgen katalytischer Krisen einteilen. Das mag in Teilen etwas sehr vereinfacht daherkommen, aber seine Argumentation, wie die neuen Nationalismen die globale Ordnung bedrohen und woher sie kommen, sind sehr überzeugend.

Einhellig verurteilt wird in Amerikas Zeitungen Trumps Begnadigung des wegen racial profiling berüchtigten und rechtskräftig verurteilten Sheriffs Joe Arpaio. Manche Medien wie der New Yorker interpretieren das als eine erneute Kampfansage Trumps an demokratische Prinzipien und Institutionen. Die Washington Post wiederum sieht darin einen weiteren Beleg dafür, dass es Trump niemals darum ging eine einigende Rolle einzunehmen. Ich würde dies und viele andere Aktionen der letzten Wochen so interpretieren, dass es ihm jetzt wirklich nur noch darum geht, den harten Kern seiner Anhänger zufriedenzustellen und aufzupeitschen. Denn selbst konservative Republikaner, wenden sich mehr und mehr ab, und verurteilen auch diese Begnadigung. Sie werden aber, denke ich, vor den Mid-Term Elections kaum handeln.

Amazon, Google & Co.

Der New Yorker fragt sich, was die immer deutlicher werdende Monopolbildung der großen Internetkonzerne für unsere Kultur bedeuten. Der Artikel von Elisbath Kolbert schlägt einen weiten Bogen, zurück zu den monopolistischen Industriegiganten des 19. Jahrhunderts. Auch diese hätten mittelfristig dem Kapitalismus und der freien Marktwirtschaft schweren Schaden zugefügt. Frau Kolbert ist sich klar, dass ein solcher Artikel schnell in Richtung rückwärtsgewandter Kulturpessimismus abdriftet. Dennoch scheint es ihr notwendig noch einmal darüber zu reflektieren, was die derzeitige Entwicklung im Digitalbereich mit uns und unseren Gesellschaften macht. Lesenswert.

On Hiking

File:View from Klahane Ridge hiking trail. Looking SW. - Olympic National Park Road System, Port Angeles, Clallam County, WA HAER WA-166-17.tif
Frühe Wandertouristen in Washington State

 

Last but not Least: die New York Review of Books erzählt die Geschichte des amerikanischen Wanderns. Eine faszinierende Reise durch die Gründungsphase der organisierten Wanderklubs und die Etablierung der großen Trails, inklusive des Pacific Crest Trail. Ich bin außerdem tatsächlich ein wenig stolz, dass ich auf die Verbindung der großen Trails mit amerikanischen Nationalmythen vor geraumer Zeit hier und hier bereits hingewiesen hatte. Jedenfalls habe ich mich – wenig überraschend – sehr über diesen Artikel gefreut, spannt er doch einen wunderbaren Bogen über die frühen Naturenthusiasten John Muir und den Sierra Club, hin zu der Wandereuphorie der letzten Jahre – Take a Hike!

 

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